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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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II. Topographie.

Topographie ohne Geologie ist Körper ohne Geist. Das Gebirge liegt todt vor unsern Augen,so lange es nicht zu uns sprechen kann durch den Mund der Geologie und uns erzählen, wie esentstanden, welche Umwandlungen es durchgemacht: seine Oberflächen - Gestaltung ist nur deräussere Ausdruck seiner inneren Eigenschaften. Aber die Topographie ist das nothwendige Substratder geologischen Kunde: dringen wir in ein Gebirge ein, so suchen wir uns zuerst topographischzu orientiren, die Glieder an den Rumpf zu schliessen, die Berge und Thäler zu ordnen nachGruppen, ehe wir nach dem Geiste forschen, welcher diesen Körper beherrscht.

In kleineren Gebirgen ist die topographische Uebersicht leicht gewonnen. In den Alpenmuss man erst tüchtig herumklettern, bis diese Grundlage gelegt ist. Diese gewaltigen Massenüberragen den kleinen Menschen so hoch, dass er eingeschlossen zwischen starrenden Felswändenseinen Horizont beschränkt sieht, während dem Umblick aus der Vogelperspective von den Spitzender Berge wieder viele tiefe Einschnitte und hintereinander liegende Kämme entgehen.

Der Nestor der Alpen -Geologen, Bernhard Studer , hat als Basis jeder weiteren Gliede-rung die Dreitheilung der Alpen in die Central-Alpen, die nördliche und die südliche Nebenzoneaufgestellt. Die Central-Alpen umfasst das krystalline Grundgebirge, die beiden Nebenzonen dieangelagerten Kalk-Alpen.

Die Gebirgszüge und Flussläufe der nördlichen Nebenzone von der Provence an durch dieSchweiz bis nach Wien ziehen im allgemeinen mit grosser Regelmässigkeit in langen Parallel-Kettenum die Central - Alpen herum, so dass das Streichen der Kalkzüge parallel der Kammlinie derAlpen , das Fallen derselben senkrecht zu dieser Richtung verläuft. Daraus erklärt sich die auf-fallende Erscheinung, dass die grossen Flussläufe, wie die Rhone , Rhein , Inn , Salzach und Enns nicht direct vom Gebirgskamme ab, sondern grösstentheils in den Längsspalten parallel dem Kammehinziehen, erst durch Querspalten durchbrechen nach der Ebene hinaus. Daher umkränzt dernördliche Fuss der Alpen auch das Gebirge parallel zur Richtung der Kammlinie.

Ganz anders ist es in der südlichen Nebenzone, welche sich einschiebt zwischen die Central-Alpen und die Po-Ebene. Im Westen fehlen die Kalk-Alpen vollständig: hier liegt der Kamm naheüber der Turiner Ebene, Col di Tenda, Monte Viso, Mont Cenis, Monte Rosa sind Gipfel der Hoch-Alpen-Kette, welche direct in die italienische Tiefebene hineinschauen. Erst zum Gotthard hinweicht die Wasserscheide nach Norden zurück vom Südfusse des Gebirges. Am Lago Maggiore

Lcpsius, Südtirol . o