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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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III. Formationen.

Die Versteinerungen eilauben uns, überall leicht eine Dreitheilung des Röth vorzunehmen:

a. Die unteren Röthplatten, in deren oberen Bänken die Avicula Clarai zahlreich vertreten ist.

b. Gastropoden-Oolithe, voll von Holopella gracilior, mehrere rothe, harte Oolith - Schichten mitechten Röthplatten wechsellagernd, c. Obere Röthplatten mit Ceratites Cassianus , Naticella costataund Myophoria costata; im oberen Theil dieser Schichten zeichnet sich eine Myophorienbank aus.

a. Untere Röthplatten.

Ueber den rothen, dicken, quarzreichen Bänken des Bunt-Sandsteins stellt sich meist sofortdas gelbe, dünnschichtige System von Kalkplatten ein, gelegentlich wechsellagernd mit mergeligenSandsteinen; die Röthplatten sind immer noch sandig, aber Kalk, Thon, Mergel herrschen vor.Die Platten sind stets bedeckt mit silberweissen Glimmerschüppchen; im Innern sind sie hellgrau,bläulichgrau, auch weiss gefärbt, während ihre Verwitterungsflächen immer gelbe oder braune Farbenzeigen. Häufig schieben sich dickbankige, graue Mergelkalke und harte Kalke ein; seltener rotheund gelbe Sandsteine.

An vielen Orten sind gleich die ersten Bänke über dem Bunt-Sandstein erfüllt mit Bivalvenund kleinen Gastropoden; doch sind die Schaalen oft fortgeführt, und die Steinkerne verwaschen.Muschelkerne, welche als Pleuromya fassaensis und Ostrea ostracina angesprochen werden, liegenzu Tausenden, dicht gedrängt, auf den Schichtflächen; Pectina , Myophorien und Myoconchen sinddaneben zu erkennen. Erst in dem oberen Horizonte stellt sich Avicula Clarai ein; einzelne Bänkebestehen ganz aus dieser charakteristischen Muschel. Die zahlreichen Myophorien der Clarai-Schichtenbleiben klein, meist als verwaschene Steinkerne, sodass ihr Charakter schlecht zu erkennen ist:Formen wie Myophoria laevigata Alb. und Myophoria ovata Br. sind die häufigsten. Von Gervilliacostata Schlth. traf ich ein Exemplar im Tiefenthal am Mendel - Abhang neben Avicula Clarai;erst im Muschelkalk, besonders im Unteren Muschelkalk bei Recoaro, ist das Maximum der Ent-wicklung der Gerv. costata. Gastropoden finden sich schon in den tiefsten Schichten in grosserMenge, meist kleine, unbestimmbare Schnecken; von grösseren Formen ist Natica cf. GaillardotiLefr. zu nennen. Die Chemnitzia (Holopella) gracilior Schaur. ist auch hier vorhanden, aber nochnicht gesteinsbildend.

Die sog. Bellerophon-Kalke von Gröden mit ihren Foraminiferen und Ostracoden habe ichin unserrn Gebiete noch nicht nachweisen können; gelegentlich schieben sich zwar petrographischähnliche schwarze Kalke zwischen die unteren Röthplatten ein, so zum Beispiel rings der ValDaone, aber ich konnte keine Versteinerungen darin entdecken*).

Die Myophoria costata Zenlc. findet sich noch nicht in den Clarai-Schichten, sondern ersthöher über dem Gastropoden - Oolith.

*) Nach einer mündlichen Mittheilung hat Herr Oberbergrath Gümbel die Bellerophonkalkejetzt in dem oben bezeichneten Horizont bei Praso nahe Daone aufgefunden.