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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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III. Formationen.

Die Stellung des Brachiopoden-Kalkes.

Es kann wohl jetzt nach den Untersuchungen von Beyrich, Benecke, Gümbel, Eck,Emm rieh und andern Geologen kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass der Brachiopoden-Kalkder Alpen (also Recoaro-Kalk, Reiflinger Kalk, Zone des Ammon. Studeri etc.) gleichzeitig ab-gelagert worden ist mit dem deutschen Wellenkalk; denn eine ganze Reihe von Versteinerungensind den beiden Facies - Gebieten gemeinsam.

Von Cephalopoden findet sich Ammonites Ottonis Buch bei Prags mit Terebr. angusta undandern Brachiopoden des Recoaro-Kalkes, sowie in Rüdersdorf und Oberschlesien im Schaumkalk;der Ammon, balatonicus. Mojs. des alpinen Muschelkalkes scheint dem Ottonis sehr nahe zu stehen.Aus der Gruppe des Cerat. binodosus Hau. liegt der Cerat. antecedens Beyr. in Rüdersdorf undThüringen gleichfalls im Schaumkalk, während der binodosus einer der häufigsten Ammoniten desBrachiopoden-Kalkes der Alpen ist. Endlich soll sich Ammon, dux des Schaumkalkes von Rüdersdorf und Thüringen bei Innsbruck in der Studeri-Zone vorgefunden haben.

Von Brachiopoden sind mehrere gemeinsame Formen zu erwähnen:

Spiriferina hirsuta, im Schaumkalk von Oberschlesien und Würzburg ;

und im Brachiopodenkalk von Recoaro und dem Ponte di Cesovo, Val Trompia etc.Spiriferina Mentzeli, im Schaumkalk von Oberschlesien ;

und im Brachiopoden-Kalk von Recoaro, Ponte di Cesovo, Collio , Prezzo in Judicarien, an derGail bei Tisens, Reutte, Schreyer Alp bei Hallstatt etc.

Terebratula angusta, im Schaumkalk von Würzburg und Oberschlesien ;

und im Brachiopoden-Kalk von Recoaro, Agordo, Piazza, Prezzo in Judicarien, Val di Manetschbei Tione, Prags, Reutte etc.

Bhynchonella decuriata, im Schaumkalk von Würzburg und Oberschlesien ;

und im Brachiopoden-Kalk von Recoaro, Ponte di Cesovo, Dosso Alto bei Collio, Prezzo,Stabolfes in der Val Daone, Virgloriapass etc.

Terebratula vulgaris, Retzia trigonella und Spiriferina fragilis, welche die häufigsten Formendes Brachiopoden-Kalkes in den Alpen und Leitmuscheln dort sind, kommen zwar in Deutschland auch im Wellenkalk vor, gehen aber durch in höhere Schichten.

Auf die verschiedenen Lima -Arten und die Trochiten ist kaum ein Gewicht zu legen; nurdass sie den Muschelkalk - Charakter dieser Schichten erhöhen.

Wenn wir demnach den Brachiopoden-Kalk der Alpen bevölkert sehen mit Versteinerungen,welche vorwiegend im Schaumkalke Deutschlands ihren Sitz haben, und wir andrerseits den unterenHorizont der Myophoria costata berücksichtigen, so dürfte, wenn überhaupt eine Parallelisirungversucht wird, die Zone des Ammon. Studeri (Recoarokalk) als Aequivalent des oberen Wellenkalkes,und die liegenden Kalke (mit Trochiten, Encr. graciUs - Schichten Ben., welche Schichten wir alsUnteren Muschelkalk bezeichneten) über dem Zellendolomit als unterer Wellenkalk anzusprechensein. Eine speziellere Gleichstellung der betreffenden Horizonte des alpinen und deutschen Muschel-kalkes erscheint unzulässig.