Die Contactzone des Muschelkalkes am Tonalit.
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Als unterstes Schichtenglied hat die Metamorphose den Zellendolomit, den Horizont zwischenRüth und Muschelkalk, ergriffen. Interessant ist hierfür eine Stelle in der Val Bona, nahe nörd-lich der Hütten, am Ostfusse des Marmorberges: dort verliert sich die so eigenthümliche Structurdes Zellendolomites allmählich in den massigen, grobkrystallinen Marmor; wir haben schon oben be-merkt, dass diese „dolomia cavernosa“ vielmehr ein Kalkstein ist, als ein Dolomit, eine Kalkstein-Breccie, verkittet durch Kalkspath; das Umwaudlungsprodukt des Gesteines ist daher ein Marmor,allerdings ein Magnesia-haltiger Marmor. Die Breccien-Structur des Zellendolomites lässt sich aneinigen Stellen weiter, an andern weniger weit in den structurlosen krystallinen Kalk hinein ver-folgen: das Gestein wird dabei lockerer, verliert seine graue Farbe, wird gebleicht; es ist anfangsfeinkörnig krystallin, mehr und mehr verdrängen die wachsenden Krystall - Körner jede — wennerlaubt ist so zu sagen — amorphe Beschaffenheit. Die gelbe Verwitterungskruste des Zellen-dolomites überkleidet nur die unveränderten Partien des Gesteines, weiterhin herrscht der blendendweisse Marmor. Wir werden auch bei den andern Schichten eine Auflockerung der Gesteine durchdie Umwandlung aus amorphem Kalkstein in Marmor zu erwähnen haben; es hat diese Erscheinungvielleicht darin ihren Grund, dass die Molecüle im krystallisirten, kohlensauren Kalk dichter ge-lagert sind als im sogenannten amorphen Kalkstein.
Die Hauptmasse des Marmors ist umgewandelter „Unterer Muschelkalk“, denn diese Etageist in jener Gegend die mächtigste des Muschelkalkes; ihre Mächtigkeit beträgt in der Val Bonaund der Val Averta an 500'. Wie wir gesehen haben, besteht diese Muschelkalk - Stufe aus ge-wöhnlichem grauen Kalkstein, nur mit grossen und kleinen Trochiten erfüllt. Der schwarze Steil-hang des Dos dei Morti, des Monte Stabolfes, des Monte Laveneg gegen die Val di Daone, unddes Monte Cleoba und Monte Boja gegen die Val Boudol besteht aus diesen grauen Kalken. DerUebergang in Marmor lässt sich am besten in der kleinen Schlucht beobachten, welche vom Passodel Frate auf der Westseite des Stabolfes hinabführt in die Val Bona: die graue, organische Fär-bung des Muschelkalkes verschwindet; die Structur ist anfangs eine sehr feinkörnig - krystalline;die Schichtung des Kalksteines verläuft in das krystalline Massengestein; je mehr man sich demTonalit nähert, um so lockerer und grobkörniger wird das Gestein, oft zerfällt es beim Schlagedes Hammers in viele grössere weisse Kalkspath - Stücke; im grobkörnigen Marmor stellen sichdann sogleich auch die Silicat - Massen ein, meist in unregelmässigen Lagern und in Kluftausfül-lungen. Am meisten trifft man hier reinen, gestaltlosen Quarz, in dem schwarze Turmalin-Nadelnstecken; silberweissen Kaliglimmer, zuweilen in grossen Tafeln und sechsseitigen Krystallen. Häufigist rothbrauner Granatfels und hellgrünes Epidot-Gestein, mit den entsprechenden Krystallen; be-sonders kleine Granat-Dodecaeder blitzen zahlreich aus den Klüften. Ferner begegnen wir öftersdem lassait, schwarzer Hornblende, Orthoclas, Vesuvian, Wollastonit und Eisenkies. Die Aus-beute an Contact-Silicaten wird sicherlich mit jeder neuen Excursion in das interessante Gebietvermehrt werden, und sie wird diejenige des Fassathales erreichen oder überholen.
Sehr bemerkenswerth ist nun die Thatsache, dass einzelne oft mächtige Schichten desUnteren Muschelkalkes auf weite Strecken hin umgewandelt sind in einen schneeweissen, feinkör-nigen Marmor, während die übrigen Schichten unverändert grauer, amorpher Kalkstein blieben.