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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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III. F ormati onen.

Glimmerschiefer- und Tonalit-Blöcken; ein Glimmerschiefer-Block daselbst misst 17' Durchmesser.Die Höhe dieses Ortes über dem Spiegel des Molveno -Sees beträgt etwa 2500'; diese Mächtigkeitmuss also der das Molvenothal durchziehende Gletscher gehabt haben; denn dass die Thäler schonso geformt waren, wie sie jetzt sind wenigstens im grossen und ganzen das zeigen uns dieGletscherschotter der Thäler. Freilich füllten damals die Grundmoränen die Thalsohle höher auf,als jetzt, wie wir sogleich sehen werden; aber im Verhältniss zur ganzen Mächtigkeit der Eis-massen ist diese Auffüllung doch nur unbedeutend. Die Glimmerschiefer-Blöcke des Monte Gazastammen aus den Hochalpen jenseits der Yal di Sole: der Nos-Gletscher, welcher den Nonsbergüberfluthete, drang über die niedrige Wasserscheide von Andolo herüber zum Molveno-See und indie Stenico-Mulde. Daher finden wir im Gebiete des Nos-Gletschers weit mehr Glimmerschiefer-ais Tonalit-Blöcke; während der Daone- und Sarca-Gletscher aus dem Herz des Adamello hervor-strömten und den Tonalit überallhin verstreuten.

Ob die erratischen Blöcke am Mendelwirthshaus vom Nonsberger- oder vom Etsch -Gletscherstammen, lasse ich dahin gestellt; letzteres erscheint wahrscheinlicher. Jedenfalls ist es eine be-deutende Höhe für Gletscherablagerungen: 1200' über den nächsten Diluvialschottern des Nonsberges(bei Cavareno); gegen 3000' über dem Kälterer Plateau, und 3500' über dem Etschspiegel beiBozen . Uebrigens erreichen die Gletscherschotter an der Gail, welche sicher vom Etschgletscherabgelagert sind, auch eine Höhe von 2500' über der Sohle des Etschthaies.

Aus allen diesen Angaben folgt, dass die Thäler des westlichen Südtirol zur Diluvialzeitausgefüllt waren mit Gletschern, welche eine Mächtigkeit von 2000 2500' besassen. Es ergiebtsich daraus, dass unser Gebiet damals völlig vergletschert war, und das Ansehen hatte, wie diegrossen Firnfelder der Hochalpen, aus deren Eismassen nur die höchsten Berggipfel und Felsriffeherausragen.

Betrachten wir nun die ausgedehnten Schuttablagerungen der Gletscher in unserm Gebiete.Als Gletscher Schotter geben sich dieselben zu erkennen durch die in ihnen ständig vor-kommendeu gekritzten Gerolle, durch den Mangel der Schichtung und durch die Art der Auf-schüttung des Materials.

Diese Ablagerungen bestehen stets zum grossen Theil aus Sanden , dem feinen Zerreibungs-material der Berge, mit denen die Gletscher in Berührung gekommen sind, also aus kleinen Stück-chen von Kalk, Dolomit, Feldspath , Glimmer, Quarz; die Sande sind entweder lose aufgeschüttet;oder häufiger durch secundäres Kalkcement fest verkittet; oder durch Thon verbunden. Dass dergrössere Theil der Schotter aus Sanden , nicht aus Gerollen besteht, liegt daran, dass wir es hiervorwiegend mit Grundmoränen zu thun haben, in welche die grossen Blöcke schwerer gelangenkönnen; die Front- und Seiten-Moränen sind in unserm Gebiete bis auf wenige Reste durch dieDenudation hinweggeräumt.

Den kleineren Theil der hier in Rede stehenden Schotter bilden Gerolle, sowohl eckige alsabgerundete. Gekritzt und abgerundet, polirt sind meistens nur die Kalkstein-Gerölle; an Stückenandrer Gesteine sah ich die Kritzen selten. Es kann kein Zweifel aufkommen, dass diese ge-kritzten Gerolle innigst Zusammenhängen mit dem Gletscher-Phänomen; aus dem anstehenden der