188
IY. Eruptiv-Gesteine.
Kalke, in welchen die Taf. II, Fig. 5 abgebildete, bekannte Gyroporella triasina Schaur. liegt;diese schwarzen Kalke gehören vielleicht dem unteren Esinokalke an. Frische Blöcke diesesGlimmerporphyrites findet man in der Orca unterhalb San Ulderico.
Dem unbewaffneten Auge erscheint ein dunkelrothbraunes Gestein, in dessen reichlicher,felsitischer Grundmasse zahlreiche Plagioklas-Krystalle und sechsseitige Biotit-Tafeln ausgeschiedensind; daneben zeigen sich einzelne, seidenglänzende Enstatite, faserig und weich, sodass sie mitdem Messer sich herausschaben lassen; diese Enstatite bilden säulenförmige Krystalle von recht-eckigem Querschnitt.
U. d. M. herrschen von den ausgeschiedenen Krystallen die Plagioklase vor; es sindfrische Zwillingskrystalle, oder Aggregate von mehreren Individuen; der Plagioklas enthält nurwenig erkennbare Einschlüsse. Biotit erscheint in diesem Porphyrit verhältnissmässig viel, starkdichroitisch in den Querschnitten; in die etwas verwitterten Krystalle sind zahlreiche Eisenoxyd-Körnchen eingedrungen.
Der Ens tat it ist recht häufig: er bildet lange, seidenglänzende Prismen, hellblaugrün,durchsichtig; quer durch die gefaserten Säulen setzen Sprünge, welche zum Theil mit Eisenoxyd-Körnchen erfüllt sind; die Auslöschung weist auf die rhombische Natur dieser ungefähr recht-eckigen Prismen. Viele Enstatite befinden sich in beginnender Zersetzung und zeigen dann impolarisirten Lichte fasrige Aggregate.
Die Glasbasis nimmt den grössten Theil dieses Porphyrites ein: sie besitzt eine schöneFluidalstructur, ausgedrückt dadurch, dass sich kleinste Krystalle und Gas- oder Wasser-Bläschenhindurchwinden zwischen den schwimmenden, ausgeschiedenen Krystallen; in anderen Stücken istdie Glasbasis angegriffen, die winzigen Pünktchen, welche braune Streifen im Glase erzeugen,bleiben dann auch bei stärkster Vergrösserung matt und undurchsichtig; bei weiterer Verwitterungentsteht die sog. „felsitische Entglasung“, eine kryptokrystalline Grund masse, wie wir sie beimPorphyrit der Val di Scalve kennen lernten. Die Erscheinung der Fluidalstructur deutet daraufhin, dass die im Glase schwimmenden Krystalle, die Feldspäthe, Biotite und Enstatite bereits fertiggebildet waren, als das ganze Gestein noch im Flusse war. Ausserdem lässt sich in diesem Por-phyrite sehr schön beobachten die „sphärolithische Entglasung“: in der Glasbasis erscheinen ziemlichgrosse Partien von radial - fasrigen Aggregaten, schwach polarisirend mit Interferenzkreuz. Gegendie Glasmasse sind diese Sphärolithe nicht scharf abgegrenzt, sondern ihre Fasern verlaufen indieselbe; häufig strahlt ein solcher radial - fasriger Kugelabschnitt von einem Plagioklase aus, derKrystallfläche ansitzend. Die Sphärolithe werden bei 140facher Vergrösserung erbsengross.
Der oben beschriebene Pechsteinporphyr von Auer war viel frischer, als dieser Porphyrit;die Glasbasis wurde dort nicht felsitisch. Hier aber bei dem Porphyrit zeigt sich, wie durch Ver-witterung die Glasbasis kryptokrystallin oder porphyrisch werden kann. Andre Pechsteinporphyritesind mir aus den Südalpen nicht bekannt geworden.