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Das westliche Süd-Tirol / geologisch dargestellt von Richard Lepsius
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209
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Die Adamello -Gruppe.

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6700' weit nach Osten fort; endlich verschwinden die Marmorlagen und der gewöhnliche graue,gelegentlich dolomitische Kalkstein des Unteren Muschelkalkes bildet durchgängig den steilen Ab-hang des Kammes zum Dos dei Morti hin. Dieser Untere Muschelkalk enthält nur Trochiten, dieseaber massenhaft und von der Grösse der ZiZii/onm's-Stielglieder. Der Fuss der Stabolfes-Wand istbedeckt von den herabstürzenden Trümmern dieses grauen Muschelkalkes voller Trochiten. Be-merkenswerth ist, dass sich die Trochiten auch in dem weissen Marmor, welcher sich dem grauenKalkstein zwischenlagert, auf das Beste erhalten haben: überall blinken die späthigen Flächen derdie Trochiten bildenden Kalkspath-Individuen; in der Mitte ist der Nahrungskanal stets noch an-gedeutet. Ich sammelte dort Handstücke des dichten Marmors, in denen Encrinus -Stiele von achtGliedern Länge gut erhalten sitzen. Die Trochiten haben einen Durchmesser von 78 mm . AmFusse der Wand fand ich auch Terebratula vulgaris und Bhynchonella decurtata zwischen Trochitensitzend, welche aus der höher liegenden Brachiopodenbank stammen. Darüber geben sich die Ha-lobien-Schichten durch ihre schwarzen mergeligen Kalkschiefer zu erkennen.

Endlich erhebt sich über dem schwarzen Absturz auffallend die kleine weisse Dolomit-Kuppeder Spitze des Stabolfes.

Vom Passo del Frate kommt in die Val Bona eine Art Schlucht herab: westlich derselbenbreitet sich aus ein mächtiger Marmorberg. Untersuchen wir den Uebergang von den nur theil-weise umgewandelten Muschelkalken des Stabolfes zu diesem Marmorberge, so sehen wir den grauenKalkstein ziemlich rasch in grobkörnigen Marmor übergehen. Anfangs bewahrt er noch die Schich-tung. Unten am Fuss des Marmorberges lässt sich die charakteristische Structur der Zellendolo-mite noch eine Strecke weit in den Marmor verfolgen, sodass die Umwandlung hier eine hand-greifliche ist. Die Zellendolomite sind durch die Umwandlung ganz mürbe geworden, und zerreibensich in der Hand, sandig anzufühlen. Bald aber verschwindet jegliche Schichtung und jeglicheStructur des sedimentären Gesteins, und wir haben einen völlig massigen Marmor vor uns.

Die metamorphosirte Zone ist hier von ganz bedeutender Mächtigkeit: den Fuss des Vor-berges zwischen dem Passo del Frate und dem Tonalit-Circus kann man in 1 j i seines Umkreisesumgehen, und beträgt die Mächtigkeit des Marmors hier 8001000 am Tonalit. Der aus demUnteren Muschelkalk hervorgegangene Marmor ist sehr grobkörnig und zerfällt leicht in einzelnekrystalline Körner; daher denn dieser Marmorberg eine flachere Form ohne Klippen und Steil-wände zeigt.

Darin setzen die Adern und Lager der Silicate auf: Granatfels und Granaten, rothbraungefärbt; viel Epidotfels und Epidotkrystalle. Hellgrüne, zum Theil durchsichtige, aufgewachseneAugitkrystalle. Schwarze Hornblende . Vesuvian. Pyrit-Würfel, zum Theil zu Brauneisen umge-wandelt. Quarz in derben Massen. Kalkspath. Auf dem Wege, der an der S-Seite des Marmor-berges hinaufzieht zum Passo del Frate, begegnet man den unregelmässig einlagernden Silicat-Massenin grosser Menge, meist grün gefärbt durch vorherrschenden Epidotfels. Zuweilen erscheinen siein Gängen, oder gleichsam als Kluftausfüllung, meist aber in Stöcken und Lagern mitten zwischendem grobkörnigen weissen Marmor. Die Vertheilung der Silicat-Massen in diesem Marmorberg istungleichmässig; gegen die Tonalitgrenze vermehren sie sich nicht. Es hat sich offenbar nur die

Lepsius, Südtirol . 27