226
Christoph Jetzler.
Denker lebte! und wetteiferte nicht jeder von uns, seine Zufrie-denheit zu gewinnen, um von den kleinen Wallfahrten nicht aus-geschlossen zu werden, auf denen er uns auf die nahen Gebirgedes Vaterlandes leitete, und diesen Wanderungen einen Reiz zugeben verstand, daß wir sie gegen keine Freude der Erde umge-tauscht haben würden." — Aber nicht nur behielt Jetzler, der niegenug zu thun glaubte, bis 1786 die geschäftsvolie und ihn oftmißstimmende Stelle eines Holzherrn bei, sondern nahm noch 1778ein neues Unternehmen in Angriff, mit dem er sich schon einigeJahre getragen hatte, und das für ihn zum bittern Kelche werdensollte, — die Umgestaltung und Erweiterung des Waisenhauses.
Bereits auf seiner Reise von 1776 hatte nämlich Jetzler denEntschluß gefaßt, sein Vermögen und seine Kraft der Erziehungarmer Kinder zu widmen, und in Wien am 20. Mai ein Acten-stück abgefaßt, dessen Schluß folgendermaßen lautete: „Also istmein eigentlicher wahrer Wille uud Entschluß, in 2 oder 3 JahrenUnserem Waysmhauß 8000 fl. zu geben, und die Direction des-selben als die glücklichste Beschäftigung, die ich in Schaffhausen haben kan, auf mich zu nehmen. Und im Fall ich izt oder baldsterben solte, so sollen 10,000 st. besagtem Waysenhauß vonmeinen Mitlen testirt oder vermachet seyn) meine Bibliothek?»)und Instrumente sollen der Bürger-Bibliothek, der Meßtisch mitdem Aussatz aber dem Lieutenant Venedikt Fischer zukommen." —Von diesem Entschlüsse zu Gunsten des Waisenhauses setzte er 1778den Rath in Kenntniß, und erhielt sofort von ihm nicht nurdankbare Anerkennung und Vollmacht zur Ausführung seinerPlanes), sondern auch Zusicherung der nöthigen Beisteuer VonSeite des Staates ^"). Als dann aber Jetzler zum Baue des neuen
27) Etwa 2 z seines Vermögens.
28) Sie war ziemlich bedeutend, und enthielt einzelne seltene Schriften, —namentlich aber eine fast vollständige Sammlung der Werke und Abhandlungenseines verehrten Eulers, von der er das Meiste gelesen hatte. Noch 1791 kaufteer einen nicht unbedeutenden Theil der Bibliothek Joh. II. Bcrnoulli.
29) Vergl. Jetzlers Schrift: „Plan zu einem Waisenhause, und Vorschläge zuAusführung dcsselbigen. Schaffhausen 1779 in 8."
3») Auch von Freunden erhielt Jetzler manche schöne Gabe für das Waisen-haus zugesandt.