Buch 
2 (1859) Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. 2. Cyclus / von Rudolf Wolf
Entstehung
Seite
237
JPEG-Download
 

Joh. Rudolf Meyer.

237

engagirt. Im Frühjahr 1789 wurde mit Tralles in der NäheVon Aarau , zwischen Suhr und Kölliken , eine größere BasisVon 17317,08 Partserfuß gemessen, und auf der Wasser- undGisola-FIuh, welche von der Basis aus bestimmt wurden, dieAlpenkette beobachtet. Dann ging'S wieder in's Oberland, wobald Winkel gemessen, bald gezeichnet, bald von Müller, derimmer Schachteln voll Gips mit sich führte, eine ganze Gegendan Ort und Stelle plastisch nachgebildet wurde, und so äuffnetesich beständig während des Sommers das Material, nach demman im Winter zeichnen und modelliren konnte.

Meyer's Absicht war, das entstehende Relief mit Hülfe eineraus Messing verfertigten Grundform in Papiermaffe zu verviel-fältigen, und so allgemein nützlich zu machen; aber wenn aucheinzelne Partien nicht übel gelangen, so kam er doch je länger jemehr zu der Ueberzeugung, es möchte zweckmäßiger sein, anstattsolcher unvollkommener und doch noch verhältnißmäßig kostbarerAbdrücke, dem Publikum eine schöne Karte der Schweiz anzu-bieten, und dirigirte dann auch die Arbeiten in diesem Sinnes.Er scheute dabei keine Auslagen, sondern ließ nach und nach fastalle Theile der Schweiz auf seine Kosten bereisen, und wenn dabeiauch nicht gerade sehr Viel geometrisch aufgenommen, sondernimmer noch das Meiste s vus gezeichnet oder in Gips nachge-bildet wurde so versäumte man doch nicht, durch Winkel-messungen den annähernd richtigen Zusammenhang der einzelnenDetailzeichnungen zu vermitteln. Müller, der seit 1790 selbst-

g) Statt Meyers Großherzigkeit anzuerkennen, gab es schon damals Leute,die seine Absichten verdächtigten; denn am L. Dezember 179L schrieb er an Müller:Da Ihr mir in Euerm Brief vermeldet, daß es hin und wider Leuthe gibt, dieda glauben, daß die Arbeit wo ich verfertigen lasse und wozu Ihr auch mithelfet,unserm Vatterland nachthcilig sein tönte, und daß in diesem Fall Ihr nichts darmitzu thun haben wollet. So melde ich Euch hiermit daß dieses gar nicht meineAbsicht ist im Gegentheil ich bestrebe mich -her nützlich als schädlich zu seinund Ihr wüffet ja selbsten daß ich nichts unternommen habe als in hoher Be-willigung meiner gnädigen Herren und Obern in Bern , und daß Hochdieselbcnmich zu einem solchen Werk noch aufgemuntert haben."

10) Meyer schrieb noch am 17. April 1790 an Müller:Es dunkt mich nochallzeit ein- Hauptsache die Arbeit an dem Ort in Gips-Schachtlcn zu machen."