14
12. Stumpfs Schweizer-Chronik. Das bereits, als im Jahre 1517 beendigt, erwähnte Werkvon Johannes Stumpf erschien 1548 zu Zürich bei Froschauer unter dein Titel: „Schwjzer Chronik:Das ist Beschrybung gemeiner löblicher Eydgenosseuschafft Stetten, Landen und dero Chronik wir-digen Thaaten. Alles mit schönen Landtafeln gezieret“. Es enthält eine Ueherftille von Thatsaclien,welche der fleissige Mann tlieils aus allen möglichen Autoren zusammentrug, theils durch s. .FreundeBullinger, Yadian, etc. mitgetheilt erhielt, theils auch auf verschiedenen Reisen durch die Schweiz selbst sammelte, — und wurde nach Verdienen von Regierungen und Privaten in anerkennendsterWeise aufgenommen 1 ), so dass, obschon Stumpf selbst noch 1554 einen Auszug in einem mässigenOctavbande publicirte, schon 1587 eine neue Auflage des starken Folianten nöthig wurde, welchedes Verfassers Sohn, Hans Rudolf Stumpf 2 ), unter Fortführung bis auf jene Zeit veranstaltete,—ja noch 1606 eine dritte, durch Johannes Wolf 3 ) besorgte und wieder bis auf die Zeit des Er-scheinens nachgeführte Auflage. Es kann sich natürlich hier nicht darum handeln auf den höchstinteressanten Inhalt dieser Schrift näher einzutreten, sondern ich muss mich darauf beschränkeneinige Worte über die beigegebenen, die Schweiz betreffenden Landtafeln beizufügen: Abgesehen vonder Tafel „Die alt Helvetiam“, von der ich Umgang nehme, gab Stumpf unter dem Titel „Tafeldarin begriffen ein verzeichnus der löblichen Eydgnoschafft und jrer Zugewandten, sampt dem Alp-gebirg und nechsten Anstössen“ eine Art Uebersichtskarte der Schweiz , und dann noch die achtSpecialkarten, „Turgow, —Zürichgow,—Aergöw und Buchsgöw, — Wiffelspurger Göw und Wadt, —Länder und Täler der alten Lepontier, — Landschafft der Rhetier, — Landschafft Wallis mit ihrenanstössen und zugehörigen Vogteyen, — Landschafft der Rauracer, jetz Bassler gelegenheit. “ DieUebersichtskarte hat 37 auf 28 cm., — zeigt Süd oben, und auf der Rolle neben dem Zirkel dieJahrzahl 1545, — ist in Beziehung auf die Anzahl der Ortschaften hedeutend reichhaltiger als dieMünster ’schen Karten, in Beziehung auf Richtigkeit der Anlage mit ihnen nahe gleichwerthig 4 ), undin Beziehung auf die Zeichnung, abgesehen von der eher noch schlechtem Darstellung der Seen, eben-falls an sie zu wagen. Die Specialkarten sind in ähnlicher Weise, aber, bei halber absoluter Grösse,in sehr verschiedenem Maassstabe ausgeführt 5 ), und verdanken ihren Werth zunächst dem grossemDetail an Ortschaften. Denn Werth haben sie, als erste Specialkarten unsere Landes, unbedingt,und es scheint mir das wegwerfende Urtheil „Ohne Werth sind die von Stumpf selbst gezeichnetenund von Froschauer in Holz geschnittenen sog. Landtafeln“, welches ein sich sonst über StumpfsArbeiten sein* günstig aussprechender Berichterstatter fällt 6 ), ganz unrichtig: Obschon diese Tafeln,wie übrigens noch viele spätere Karten, für die Gegenwart ganz unbrauchbar sind, so waren sieeben nothwendige Ausgangspunkte, ohne welche wir das nicht bekommen hätten, was sie uns jetzt
Zu 12 : 1) Der Einzige, welcher Stumpfs Werk in kaum begreiflicher Weise bemängelte, war der sonst so hochverdiente
Eg. Tschudi. Yergl. das in 11 erwähnte Neujahrsstück. — 2) Für Antistes ‘Hans Rudolf Stumpf (1530—1592) v. « R.Zimmermann, Die Zürcher Kirche. Zürich 1878 in 8 — 3) Johannes Wolf (1564—1627), ein Sohn meines Urahns, des Orien-
talisten gleichen Namens (v. das von mir 1874 zu Gunsten des Waisenhauses geschriebene Neujahrsblatt), war ursprünglichBuchbinder und Glasmaler, kaufte dann aber 1590 den Froschauer’scben Erben ihr berühmtes Buchdruckergeschäft ab, wo-durch auch der Verlag von Stumpfs Chronik auf ihn überging. Die von ihm besorgte dritte Auflage, bei welcher ihm diebeiden Zürcher-Theologen, Caspar Waser und Marx Widler, behülflich waren, wird von den Bibliographen als die werthvollstebezeichnet. — 4) Sie ergab mir m = 3,53 und f = +. 31,4 (-f 80, — 51). — 5) Ich erhielt für die acht Specialkarten derReihe nach m — 1.65, 1.66, 2.43, 2.18, 1.71, 2,92, 1.89 und 1.15; die f wurden nicht bestimmt. — 6) Der Verfasser des mehr-erwähnten Neujahrstückes, — 7) Die Bibliotheken in Basel und Zürich besitzen diesen selten gewordenen Atlas,