VORREDE.
V
Spitze cler nordischen Künstlerscliaft. Aber aueli jetzt liesssich die Continuität der Entwickelung nicht festhalten.Waren vielleicht unsere grössten Meister seihst von derAhnung, dass keine fröhliche Nachfolge an ihnen haftenwerde, erfüllt? So weit 'umfassend Holbein’s und insbe-sondere Dürer’s Phantasie sich offenbart: für die Schilderungdes einfach Naiven, des heiter Anmuthigen, die nur auseiner behaglich sicheren Lebensempfindung heraus glücklichgelingt, erscheint sie weniger zugänglich. Und in der That.Abermals wurde die aufsteigende Linie der Entwickelungunterbrochen. Wir haben uns die Zierformen, welcheRenaissance-Künstler gebrauchten, auch angeeignet und zuverwenden gelernt, aber die wonnige Schönheit der echtenRenaissance, die noch in der Erinnerung berauscht, zuschaffen und zu geniessen, war uns nicht vergönnt. Wiedertraten die Niederlande für uns ein und führten die Rolledes leitenden Kunstvolkes im Norden glorreich durch.Wenn uns der Protestantismus mehr gilt als eine blosseconfessionelle Form neben mehreren anderen, wenn wir inihm ein lebendiges und kräftiges Culturprincip, die wichtigsteGrundlage der ganzen modernen Bildung begrüssen, sodanken wir dieses grossentheils den Niederländern dessiebzehnten Jahrhunderts.
Die Zusammengehörigkeit der niederländischen unddeutschen Kunst, schon vom alten Karel van Mander an-erkannt, sichert der Erzählung von den Schicksalen derniederländischen Malerei im fünfzehnten Jahrhunderte dieunmittelbare Theilnahme auch deutscher Kreise. Und dieseTlieilnahme wird dadurch nur erhöht und befestigt, dass