VORREDE.
IX
Vielfach dürfte es befremden, dass ich in der Namen-gebung der Bilder niemals von den Verfassern abweiche.Eine solche unbedingte üebereinstimmung wäre ja geradezuunerhört. Ich will nur gestehen, dass auch ich in einzelnenFällen eine abweichende Ansicht habe und zuweilen andereBildertaufen vorschlagen würde. Aber ich halte solcheMeinungsunterschiede für durchaus unwesentlicher Naturund nicht darnach angethan, den weiteren Leserkreis mitihnen zu behelligen. Mein Glaubensbekenntnis in diesemPunkte lautet folgendermaassen: Die Werke der altenMaler zerfallen in zwei Gruppen. Den äusserlich be-glaubigten Gemälden stehen solche gegenüber, bei welchenwir nur durch das Stilgefühl den Künstler errathen. Mit derfundirten und der schwebenden Schuld eines wohlgeordnetenStaates lassen sich diese beiden Gruppen vergleichen. Beider Würdigung und Beurtheilung des Künstlers nun nimmtman nur von der ersten Gruppe den Ausgangspunkt, dennnur diese gewährt vollkommene Sicherheit. Man muss sichaber bemühen, allmählich auch die schwebende Schuld ineine fundirte zu verwandeln. Durch eine sorgfältige Analyse,durch eine genaue technische Prüfung, durch einen glück-lichen urkundlichen Fund gelingt es in der That auch denMangel äusserer Beglaubigung bei einzelnen Bildern baldzu tilgen, bald wenigstens zu verringern. Die Wahrscheinlich-keitsgründe ergeben eine so stattliche Summe, dass überdie Herkunft des betreffenden Werkes kein erheblicherZweifel herrschen kann. Immer werden aber noch Bilderübrig bleiben, deren feste Bestimmung und sichere Ein-ordnung allen Bemühungen spottet. Sie reizen unaufhörlich