ERSTES CAPITEL.
Die niederländische Malerei im Mittelalter.
Die Anfänge der niederländischen Kunst fallen nachden uns erhaltenen Nachrichten in eine verhältnissmässigspäte Zeit — in das achte Jahrhundert, in welchem derBildungseifer Karl des Grossen auch der Malerei eine kräf-tigere Anregung verlieh. Da das Abschreiben und Aus-malen von Handschriften schon sehr früh zu den Lieblings-beschäftigungen in Klöstern gehörte, 1 so ist es nichtunmöglich, dass diese Künste auch in den Niederlandenbereits in vorkarolingischen Zeiten geübt wurden: die ältestesichere Kunde davon empfangen wir aber erst durch eineChronik der karolingischen Periode. Sie entstammt demKloster Alt-Eyck an der Maas und wurde im neunten Jahr-hundert verfasst . 2 Ihr Schreiber erzählt ziemlich ausführ-lich von zwei Schwestern, Herlinde und Iteinula, welche inder ersten Hälfte des achten Jahrhunderts dem Kloster alsAebtissinnen nach einander vorstanden und die Evangelien,den Psalter und Heiligenlegenden mit Bildern schmückten,
1 Schon die älteste Klosterregel,welche der heil. Cäsarius für ein513 von ihm gegründetes Fraucn-kloster schrieb, macht den Normendas Abschreiben heiliger Bücher zurPflicht.
2 Acta SS. Boll. 22. Mart, III.
p. 386; wiederholt bei Mabillon AA.SS. O. s. B. ssec. III. 1. p. 654. Vgl.Becherohes sur nos anciens enla-mineurs et calligraphes par lechanoine J. J. de Smet, in Bulletinsde l’Academie de Belgique. Vol. XV.(1848) p. 80.
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