4 DIE ANFÄNGE DEE MALEEEI IN DEN NIEDEELANDEN.
in so glänzenden und frischen Farben, dass dieselben auf denChronisten den Eindruck machten, als wären sie erst gesterngemalt worden. Ist es blosser Zufall, dass gleich die ältesteNachricht von künstlerischer Tlhitigkeit in den Niederlandenuns an die Ufer der Maas führt? Das Kloster Alt-Eyck,in welchem Herlinde und Reinula wirkten, liegt in der Nähevon Maas-Eyck, der Geburtsstättc der beiden grössten Malerder Schule; Lievino, die Tochter Jan van Eyck’s fand injenem Kloster eine Zufluchtsstätte; in der Limburger Pro-vinz endlich, wo Alt-Eyck und Maas-Eyck liegen, erhobenMiniaturmaler ihre Kunst zu so hoher Vollkommenheit, dassihre Werke noch am Schlüsse des vierzehnten Jahrhundertsselbst auf dem entfernten Pariser Markte in nicht geringemWerthe standen.
In welcher Zeit die Uebung der Malerei in den Nieder-landen in Laienhände überging, ist ungewiss. Jedenfallsbestand schon ein zünftiger Kunstbetrieb, als Wolfram von Eschenbach in seinem Parzival die Schilderen von Maestrichtund Köln vor allen anderen pries . 1 Einen beträchtlichenGewinn schöpft aber unsere Erkenntniss aus dem Lob-spruclie Wolfram’s so wenig, wie aus den noch älteren Be-richten, die wir über Maler und Malerwerke in Lüttich ausdem zehnten und elften Jahrhunderte besitzen. 2 Tafelbilderhaben sich aus dem früheren Mittelalter nicht erhalten unddie Reste von Wandgemälden, welche erst in unseren Tagender Vergessenheit wieder entrissen wurden, sind meistens sozerstört, dass sich ihr Werth kaum noch bestimmen lässt.Dieser Zustand hat die heimische Kunstforschung nichtabgehalten, dem Gebiet der alten monumentalen Malereieine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Mit aner-kennenswerthem Eifer wurden in den letzten JahrzehntenWandgemälde von der sie deckenden Tünche befreit undzahlreiche Werke des dreizehnten und vierzehnten Jahr-
i Parzival , 158, 14. 2 yjta S. Balderici bei Pertz SS. IV. ]>. 724—738.