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Urtlieil auf die schon früher, vor 1850 entdeckten Probenvon Wandgemälden zu gründen. Es lautet durchaus un-günstig und offenhart, soweit von einzelnen Beispielen aufden allgemeinen Zustand geschlossen werden kann, dieMalerei bis zum vierzehnten Jahrhundert auf einer ganzniedrigen Stufe der Entwickelung. Als Belege führen wiran: die Krönung Maria und den lebensgrossen Christophorus,t der das Christkind durch das Wasser trägt, im Hospitale@ Tent e in ^yloque zu Gent , eine rohe Arbeit aus den ersten Jahrennach 1300, ohne Angabe der Schatten, in grober schwarzerFarbe umrissen, 1 sowie eine knieende Grabfigur in St.in Ypern . Martin zu Ypern , welche angeblich zur Erinnerung an Robert von Bethune (n. 1322) gestiftet wurde. 2 So wenig sich auchhier und dort von der ursprünglichen Farbenfläche erhaltenhat, so lässt doch selbst das Wenige erkennen, dass die Ver-fertiger dieser Bilder den Namen von Künstlern kaum ver-dienen.
ln erfreulichem Gegensätze zu diesen Proben monu-mentaler Kunst stehen die gleichzeitigen Leistungen derMiniaturmalerei. Sind jene kaum mittelmässig zu nennenund bemerkenswerth eigentlich nur durch den Mangel anKunstfertigkeit, so überraschen dagegen die Miniaturen durchdie kunstreiche Anordnung und tüchtige Ausführung. Einnun» »n der anziehendes Beispiel bietet das Calendarium in einem Missale
Bodleiana. r\
der Oxforder Bodleian-Bibliothek, mit zierlich im Quadrateumränderten Miniaturen verschiedener Grösse geschmücktund um das Jahr 1320 geschrieben. 3 Die Bilder zeichnensich durch eine symmetrische Composition aus, sowie durcheinen an Sculpturwerke malmenden Ernst und eine würdigeHaltung der Gestalten, durch einen einfachen Wurf der Ge-
1 Messager des Sciences et des arts.t. I. p. 201.
2 Vgl. Kunstblatt 1843. Nr. 54.
3 Bodleian libr . Oxford . Nr. 313.Douce. Im Calendarium ist der Fest-tag des h. Ludwig v. Toulouse, 1317
gestiftet, enthalten, dagegen das Festdes h. Thomas v. Aquino (1323) aus-gelassen. Darnach kann man die Zeit,in welcher das Missale geschriebenwurde, ungefähr bestimmen.