7
wänder, einen freundlichen Ausdruck des Gesichtes undsorgfältige Umrisse. Die starkhärtigen Köpfe sind breit, fasteckig, die Augen starr, die Finger lang und schlank. Fürdie Lichter wurde das Pergament ausgespart, einfach unddoch wirkungsvoll die Schatten in schmalen Lagen und mitdurchscheinenden Farben aufgetragen.
Auf einem der kleineren Bilder welches die Verkün-digung mit dem segnenden Gottvater im Himmel darstellt,erblicken wir Bogen und Säulen von reichstem Steinwerkegemalt, ganz so, wie es auch die späteren Meister derSchule liebten.
Von den grösseren Miniaturen schildert die eine dieGeisselung und Christus vor Pilatus, eine andere die Kreu-zigung mit der klagenden Maria, die Verloosung der Kleiderund die Auferstehung, alle diese drei Scenen auf einem ge-meinsamen Plane vereinigt. Unter den Hauptfiguren fälltinsbesondere ein Trompeter hoch zu Bosse in die Augen:er ist mit Kraft und Wahrheit in Handlung gesetzt . 1
Welchem Lebenskreise gehörte der Meister dieser undanderer ähnlicher Werke an? Soll man ihn dem geistlichenoder dem weltlichen Stande einverleiben? Die tiefe religiöseEmpfindung, die genaue Kenntniss der überlieferten Regeln,
1 Ein anderes Beispiel, das Auf-merksamkeit verdient, ist eine Bibelv. J. 1383 im Louvre, für KönigCarl V. gemalt, dessen Porträt sichS. 368 befindet. Sie zeigt die gleicheEinrahmung wie das Missale in derBodleiana und dieselben künstlerischenMerkmale. Die Ornamente sind be-sonders zart und geschmackvoll be-handelt. Spätere Bilderhandscbriftenzeigen bereits die Neigung zu platterNaturnachalimung, so z. B. einelateinische Bibel in der Pariser Bibli-othek (M. S. 6829 fol.), wo nichtallein die Ornamente und dieEiguren-bilder verschiedene Hände zeigen,sondern auch die letzteren vonmehreren Malern ausgeführt er-scheinen. Das erste Blatt enthält
den h. Hieronymus , wie er demLöwen einen Dorn auszieht. DerHeilige sitzt mit einem Buche vorsich in einem zierlich mit Stein-werk geschmückten Baue, an demauch musicirende Engel angebracht.sind. Das Bild ist einfarbig ge-halten, und ausgezeichnet durch über-aus feine Umrisse und einen leichtenEluss des Gewandes. Einzelne dernächstfolgenden Miniaturen gleichenjenen der Louvrebibel, andere sindrötlier und dumpfer im Ton. Nachder Seite 34 bemerkt man in denüberladenen Ornamenten, in der ge-brochenen Draperie und schwerenEarbe eine entschieden schwächereHand.