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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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KÜNSTLER AM BURGUNDISCHEN HOFE.

Ducaten. Aber auch bei diesem Anlasse verleugnete sichdie Liberalität des Herzogs nicht. Der Herrscher aufMitylene, welcher seine guten Dienste zur Befreiung desGefangenen angeboten hatte, wurde mit den kostbarsten Ge-schenken, goldenen Büchern und Gefässen bedacht. 1

Solche Freigebigkeit und Schaustellung der Prachtlassen vermuthen, dass dem Herzog von Burgund Fach-künstler jeder Art zu Gebote standen. In der That be-kunden die uns erhaltenen Rechnungen seines Hofhaltes einegrosse Anzahl von Goldschmieden, Bildschnitzern und Malernin seinen Diensten. Als französischer Prinz begünstigte erzuerst einen Johann von Orleans und einen Oolard von Laon ,beide französischen Zunftkreisen angehörig. 2 Später durchseine Heirat in Beziehungen zu Flandern gebracht, lernteer auch die Tüchtigkeit flandrischer Werkleute schätzen.Als Herzog von Burgund hielt er zwei Maler Johann vonBeaumez und Johann Malwel im Solde. Zu seinem flandri-schen Haushalte gehörte als Hofmaler Melchior Broederlam .

Von Johann Beaumez oder Biauviez wissen wir,ausser dass er Turnierzeug und Fahnen malte und gewöhn-lich in Burgund lebte, wenig. Er stand bereits 1377 als„painter“ und „varlet de cliambre“ im Dienste des Herzogs,vollendete 1379 eine Tuchmalerei mit mehreren Bildern, dieeinem Mönche geschenkt wurde und war noch 1395 amLeben. 3

Johann Malwel oder Melluel erhielt seine Bestallungals Maler des Herzogs von Burgund im J. 1397; aber schon1392 überzog er mehrere Altarschreine, welche Jacob de

1 Ebend. p. 154. Eine lange Ge-schenkliste findet sieh auch p. 141.Sie wird durch die Worte eingeleitet:Le Duc de JBourgogne fit ä sonordinaire plusieurs presents magni-fiques en pierreries et en orfevrerie.

2 Ueber Joh. von Orleans s. Pin-

chart, Archives des arts, des Scienceset des lettres t, III. p. 04 und

Messager des Sciences et des arts 1868.p. 308. Philipp der Kühne zahlte ihmeine Summe Geldes für ein grösseresBild: i. J. 1383.

3 Compte de Guillaumo Clxevillyin De Salle, Memoires pour servir äl’histoire de France et de Bourgogne.Paris 1729. p. 51 und private Mit-theilungen Pincliart’s.