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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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JAN IM HAAG.

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Wie ist es doch möglich gewesen, dass die Thatsacheeines nahezu zweijährigen Aufenthaltes Jan van Eycks imHaag völlig vergessen werden konnte, und auch von seinenhier ausgeführten Werken jede Spur sich verloren hat? Derletztere Umstand bleiht um so mehr zu beklagen als der sicht-liche Einfluss der Eyckschen Schule auf die holländischeKunst des 15. Jahrhunderts gewiss zuerst in der längerenThätigkeit Jans auf holländischem Boden wurzelt.

Fügt die sichere Kunde von Jans Leben im Haageinen neuen Baustein zur Biographie des Künstlers, so mussdagegen eine andere Nachricht, von seinem Besuche inAntwerpen 1420, wo er die Gilde mit einem Christuskopfe,in Oelfarhen gemalt, überrascht haben soll, als völlig un-begründet zurückgewiesen werden. 1

van Eyck gemeint sei, beweist seineAnführung in den Rechnungen auchalsJohannes Myns genadichs heerenscilder. Des Herzogs Maler waraber Jan van Eyck . Den Dienstan-tritt Jans können wir aus den folgen-den Rechnungen, welche bis in dasJahr 1424 reichen, genau bestimmenEr empfing regelmässig sein Gehaltvom 29. Dec. 1422 bis zum 31.Januar 1424. Yom 29. Dec. 1422neun Wochen und drei Tage zurück-gerechnet ergiebt den 24. Octoberals den Tag seines Dienstantrittes.

In Bezug auf die Zeit seines Dienst-austrittes kommen wir zu folgendenSchlüssen. Die zweite Rechnung desSchatzmeisters Bauduin van Zwietenumfasst die Periode vom 26. Mai 1424bis 5. Februar 1425. Die Zahlungenan den Maler Jan gelten für zwei-unddreissig Wochen, also da die letzteZahlung bis zum letzten Januar 1424reichte, für die Periode vom 1. Pebr.des Schaltjahres 1424 bis zum 11.September. An diesem Tage verliessJan van Eyck den Dienst des HerzogsJohann, der drei Monate später, am5 Januar 1425 selbst verstarb. Inden Rechnungen werden zuweilen(z. B. Dec. 1422) auch zwei Diener(servitors) Jans erwähnt. Vielleicht

waren es seine Gehilfen. Dadurchwird die Vermutliung einer künst-lerischen Thätigkeit Jans im Haagverstärkt.

1 Hr. K. van Kerckhoff hat (Be-knopte Geschiedenis der KonincklykeAcademie van Bchoone Künsten vanAntwerpen ) 1824 einen angeblichenAuszug aus dem Archiv der Lucas-zunft publicirt, welcher den er-wähnten Vorgang erzählt und alsBestätigung anführt, der Adel vonAntwerpen habe zum Andenken anJans Besuch 1549 der Zunft einenBecher mit Eycks Portrait verehrt.Der Becher hat sich wenigstens inder Abbildung erhalten. Auf demweitbekannten Portraite desICnapender Lucaszunft, des ZunftansagersAbraham Grapheus von CornelisVos d. ä. gemalt und im AntwerpnerMuseum (No. 303) aufbewahrt, be-findet sich der Zunftbecher v. 1549gleichfalls abgebildet. Er zeigt abernicht Eycks, sondern (neben Zeuxis,Apelles und Rafael) Dürers Züge.Die Bestätigung also des BesuchesJans durch daspoculum hilaritatisist nichtig, nicht minder windigdas andere Zeugniss, der von Jan van Eyck gemalte Christuskopf. Erwurde in der Akademie von Brügge