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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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ANSEHEN UND BELIEBTHEIT DES WERKES.

Werk umschwärmten, wie „die .Fliegen den Honigtopf“,was ihn aber nicht hindert, die Bilder falsch zu beschreiben,ebenso wenig als Lucas de Heere, welcher im 16. Jahr-hundert ein Lobgedicht auf den Genfer Altar verfasste,sich an dem Widerspruche stiess, dass er in der Ueber-schrift Jan van Eyck allein pries, in der Ode selbst auchden Antlieil Huberts betonte. 1

Das mächtige Werk, leider nicht mehr vollständig inGent zu schauen, bildet einen Flügelsclirein mit einerDoppelreihe von Tafeln über einander. Bei geschlossenenFlügeln treten uns an hervorragender Stelle die Portraitsder Stifter entgegen; ist aber der Schrein geöffnet, sowerden wir Zeugen der Anbetung des Lammes, zu welcherungezählte Schaaren herbeiströmen, während die Himmelselbst sich aufgethan haben und an der Feier theilnehmen.

Im Mittelschreine, auf einer Tafel, die alle anderen

1 Die Ode des Malers Lucas deHeere ist u. a. auch bei Van Mander abgedruckt. Sie ist an den „ VlaemschApelles, Meester Jan“ gerichtet;doch wird im Verlaufe des Ge-dichtes auch Ilubert’s gedacht:

„Hy liadde ’t werck begonst, alsooliys was gliewent:

Maer d’al vemielsche Doot zijnvoorneem lieeft verondert.“

Es ist noch auffallender, dass dieseOde auf eine Tafel geschrieben undüber dem Altäre der Anbetung desLammes aufgehängt wurde. Alsoauch in der Localtradition warHubert’s Name früh vergessen.Auf der andern Seite muss aberebenfalls erwähnt werden, dass dasWerk selbst sich einer grossen Po-pularität erfreute. Blommart inseiner „Geschiedenes der Rhetor ilc-Icamer de Fonteine te Gent “ (citirtbei Jonckbloet, Gesch. der Niederl.Liter. I. p. 354) bescln'eibt einTableau, welches die Kammer derPonteine bei dem Einzüge Philippdes Guten in Gent 1456 arrangirte.Es wurde auf einer Bühne darge-

stellt, welche in drei Abtheilungenzerfiel. „In der Mitte der oberstenAbtheilung war Gottvater zu sehen,unter einem Thronhimmel, zwischender Jungfrau und dem Täufer, rundumher standen singende Engel.Gottvater sass auf einem Thronevon Elfenbein, die Krone auf demHaupte, das Scepter in der Hand.Im mittleren Geschoss stand einreich verzierter Altar, auf welchemein Lamm lag, dessen Brust einBlutstrahl entquoll, der in einemgoldenen Kelche aufgefangen wurde;goldene Strahlen, die von Gott demVater ausströmten, bildeten denHintergrund, aus der Mitte desselbenIlog eine Taube auf. An beidenSeiten des Altars standen Gruppenvon Märtyrern, Ileüigen, Patriarchen,Aposteln u. s. w.“ Auf den erstenBlick erkennt man liier eine treuelleproduction der mittleren Tafelndes Genter Altars. Dass die Kammerder Ponteine gerade dieses Bildwählte, hatte seinen guten Grund,sie verherrlichte dadurch symbolischihren Namen.