52
DIE MITTELTAFEL.
Leib vorgetrieben, die Beine mager; doch ist der Bau unddie Fügung der Glieder, sowie die Gestalt der Extremitätenwahr und mit feinem Sinne medergegeben und die Carna-tion kräftig behandelt. Auch Adam, auf der Gegenseite(Feld VII), ragt durch die Richtigkeit der Verhältnisse unddie Naturwahrheit hervor und beweisst des Künstlers treff-liche Kenntniss optischer Perspective, welcher z. B. ganzrichtig die Höhe der Gestalt über dem Auge des Beschauersberechnet hat . 1 Wie nun gleichsam in Gegenwart derhimmlischen Scliaaren unter dem Vorsitze Gottes das Opferdes Lammes vollzogen wird, schildert die untere Tafelreihe.
Den Schauplatz des Opfers und der Anbetung bildet(Feld VIII) eine reiche Landschaft, deren grüne Hügel inmannigfachen und gefälligen Linien bis in die weiteste Fernesich verlieren. Eine flandrische Stadt, ohne Zweifel Jeru salem vorstellend, ist rechts im Hintergründe sichtbar, dochsteigen Kirchen und Klöster mit ihren hohen Kuppeln undzahlreichen Tliürmen, wie sie das Mittelalter am Rhein undin den Niederlanden reich und gewaltig zu bauen liebte,kühn überall am Horizonte empor. Sie heben sich scharfgegen den Himmel ab, der allmälig von einem blassenGrau in ein tiefes Dunkel übergeht. Die Bäume des Mittel-grundes zeigen kein hohes Wachstlium und auch in derFarbe keine grosse Verschiedenheit von den Wiesen, inwelchen sie stehen. Da und dort sind Cypressen einge-streut, links sogar eine kleine Dattelpalme bemerkbar.Ein leise ansteigender Wiesenplan im Vordergrund, mitMassliebchen und Löwenzahn bedeckt, bildet den engerenSchauplatz des mystischen Vorganges.
Mitteitafei. I n der Mitte der Tafel steht auf einem mit rotliemDamast verhängten und mit einem weissen Tuche bedeckten