REALISMUS DER DARSTELLUNG.
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so trefflich verstanden worden. Die Einzelgestalten er-scheinen meistens gut proportionirt, richtig in den Be-wegungen, und von unmittelbarer Lebendigkeit in ihremThun und Treiben. Auserlesene Typen sind freilich wederAdam noch Eva zu nennen, aber eingehendes Studium desNackten, packende Naturwahrheit, genaue Kenntniss desGliederbaues und der Musculatur kann ihnen Niemand ab-sprechen. So feste und sichere Umrisse beweisen die engeVertrautheit mit der Anatomie; sie werden höchstens dannübertrieben betont, wenn der Künstler sich verleiten lässt,das Modell allzu treu nachzuahmen. Der Ausdruck in denaus dem Leben gegriffenen Personen ist selten ganz freivon einem gewissen gemeinen Zuge. Nun lässt man sichz. B. am heiligen Christophorus ein alltägliches und ge-wöhnliches Gesicht gefallen, an einer Madonna oder anEngeln wird man es aber arg störend empfinden. In demWurf der Gewänder bemerkt man grosse Ungleichheiten.Bald fallen dieselben breit und lassen die unteren Glied-massen erkennen, z. B. in den Figuren Gottvaters und derEinsiedler, bald endigen sie in brüchigen Falten, wie inden schweren Brocaten der Engel, bald ist die Draperieeckig, gehäuft und überladen wie in der Verkündigung.
Als Landschaftsmaler sind die van Eycks nicht alleintadellos, sondern geradezu über jedes Lob erhaben. Durchdie Landschaft gewinnt bei ihnen erst die Composition dierechte Einheit, welche sie durch die Anordnung der Gruppennicht vollständig erreichte. Die einfach grossen, harmo-nischen Linien, welche die mannigfachen Theile der Land-schaft verbinden, der Duft der Fernsichten bringen viel-leicht die Figuren in Nachtheil, an welchen man eine soüberraschende Kunst nicht bemerkt. Die wunderbare Tiefeder Landschaft bildet jedenfalls einen Hauptreiz des Werkes.Einzelne Kegeln der Linearperspective waren den Eycksnicht unbekannt, die allgemeinen Grundsätze der Wissen-schaft aber, wie man deutlich an der Anbetung des Lammes