Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
72
JPEG-Download
 

72

WÜRDIGUNG DES BERICHTES.

Daran schloss sich ein anderer Fortschritt. Da durchdas neue Malmittel die Farbentöne gekräftigt wurden, sobedurfte es nicht mehr eines besonderen gefärbten Firnisses.War die anfängliche Aufgabe der van Eyck die Her-stellung eines besser trocknenden farbigen Firnisses ge-wesen, so bildete ihr letztes Ziel die Erfindung eines flüssigen,gereinigten, farblosen Bindemittels. Der Nutzen, den deralte harzige Deckfirniss besass, die Hebung der Töne wurdeauch ohne denselben erreicht; ihn mit den einzelnen Farbenzu mischen, verhinderte seine Zähigkeit, so blieb nichtsanderes übrig, als ihn flüssig zu machen. Allmälig ändertesich auf diese Art das ganze Verfahren der Malerei. VonTemperabildern, in welchen nur einzelne Theile mit Oel gemalt waren, ging man zu Oelbildern über, in welchen nurnoch an einzelnen Stellen die alte Temperatechnik ange-wendet wurde, und kam so endlich zu ausschliesslich inOel gemalten Tafeln.

Bei diesen Erörterungen konnte der eine Bruder vomanderen nicht getrennt, der Antheil, welchen Hubert ander technischen Revolution nahm, nicht abgesondert be-handelt werden. Wir kehren nun wieder zu ihm zurück,müssen uns aber leider begnügen, die hohe Achtung, inwelcher er bei seinen unmittelbaren Zeitgenossen stand,im Allgemeinen festzustellen. Als er am 18. September1426 starb, noch ehe er den Genter Altar vollendet hatte,wurde sein Leichnam in der Krypta der Capelle desVydts beigesetzt, zuvor aber, und diese Legende kann alsein weiterer Beweis seines Ansehens dienen, der rechteArm vom Körper abgetrennt und in einem Kasten über

so (len Firniss, welchen er und alleMaler der Welt so lange gewünschthatten. Er stellte noch andere Ver-suche an und sah, dass wenn er dieFarben mit dieser Art von Oelenanrieb, eine sehr haltbare Mischungentstand, die getrocknet nicht nur

vom Wa-sser keinen Schaden mehrlitt, sondern auch den Farben solchesFeuer verlieh, dass sie für sich,ohne Firniss, schon Glanz hatten;am aller wunderbarsten aber ersclüenihm, dass alles sich viel leichter ver-binden liess, als bei der Tempera.“