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bildern in Oel nicht füglich vergleichen kann, weil der ge-meinsame Massstah mangelt und die Coloritfrage eigentlichausgeschlossen werden muss, so steht doch soviel fest, dassdie glatte Behandlung, welche sich von jener eines Tafel-bildes in Tempera kaum unterscheidet, auf die kölnischeSchule zurückführt, wo dieselbe feine Verschmelzung derTöne, die gleiche helle Klarheit der Lichter, die Blässeder Schatten und der Mangel an Helldunkel angetroffen wird.
Der dargestellte Gegenstand, in allen Malerschulenseit einem Jahrhunderte heimisch, gestattete der Entfaltungder Individualität nur geringen Baum. Doch darf behauptetwerden, dass die Anordnung und Gruppirung, die Gliede-rung durch Bogen, die reiche Ornamentirung der letzterender rheinischen Sitte mehr entspricht als der vlämischen.Vermisst man an den Gestalten die meisterhafte Wahrheit,welche in den vlämischen Bildern wiederkehrt, so findetman dafür Ersatz in der Weichheit, welche der rheinischenSchule eigenthümlich angehört. Die anmuthige Haltung derMadonna, der einfache Faltenwurf, die Rundung des Kopfesin Form und Umriss, die Umschleierung, das alles bringtdie Madonnen eines kölnischen Hauptmeisters, des Meister Stephan in Erinnerung. Der Engel der Verkündigung er-scheint mehr in der vlämischen Weise gehalten als dieübrigen Theile des Bildes, doch auch hier ist die Bildungund der Ausdruck des Gesichtes ähnlich jener in der rhei-nischen Schule, in welcher sich auch die Vorliebe für goldeneGewänder wiederfindet.
Offenbart sich in den Figuren das Uebergewicht desrheinischen Stiles, so enthüllt der Hintergrnnd dafür dievollkommene Aneignung der vlämischen Kunstsitte. Andie Stelle des flachen Goldgrundes von architektonischenGliedern umgeben tritt ein wirklich vertiefter, luftiger Raummit Fenstern, welche eine Aussicht in das Freie gewähren, ganzwie es in flandrischen Bildern gebräuchlich war. Schade, dassdie Kenntniss der Linearperspective grosse Lücken zeigt.