PIERRE COUSTAIN.
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Philipp die Summe von tausend Livres. Sonst wird er wieHue de Boulogne meist nur als Maler von Fahnen undStandarten genannt. Sein Name verschwindet aus den Bech-nungen des Hoflialtes 1443. Hue starb 1449 und erhieltzum Nachfolger im Amte des „paintre“ und „varlet dechambre“ seinen Sohn Jehan de Boulogne. Her Aufscher-posten in Hesdin dagegen wurde dem Pierre Coustainübertragen, welcher den Titel „paintre des princes“ führteund bis 1471 lebte. 1
Auf Pierre Coustain stossen wir im Jahre 1468 inBrügge . Er ordnete hier in Verbindung mit JacquesHennecart die „entremetz“ an, mit welchen die HochzeitKarl des Kühnen gefeiert wurde. Dass Olivier de la Marche von diesen „entremetz“ einen farbenreichen leben-digen Bericht verfasst hat, wurde bereits erwähnt. Begeistertbeschreibt er die Löwen, die so gut brüllten und so harm-los waren wie nur als Löwen verkleidete Handwerker seinkönnen, und schildert die schönen Hirtinnen, welche derneu vermalten Prinzessin so zierliche Glückwünsche spen-deten. Leider kümmert den Chronisten der Antheil derbildenden Künste an diesen Schauspielen nur wenig; selbstvon den lebenden Bildern oder „histories“, welche in derEinzugsstrasse bis zum Palaste gestellt waren, führt er nurzwei genauer an: Adam und Eva im Paradiese und dieHochzeit Alexanders mit Cleopatra (?). Er hebt die Bilderder hh. Andreas und Georg hervor als Stützen des burgun-disclien Wappens, aber er erwähnt nicht ein Werk, welchesvon einem der jetzt noch bekannten oder berühmten Malerdes Landes stammte. Hugo van der Goes , dessen Begabungdoch gewiss ein schmückendes Beiwort verdiente, wird vonOlivier de la Marche nicht einmal genannt. So bleiben wirdenn auf Allgemeinheiten angewiesen. Wir wissen dass
1 Beffroi I. 205 und Journal des Maler am burgundisclien Hofe sindb. a. 1860. i>. 192. Die Namen der bei De Laborde zusammengestellt.