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GROSSE KÜNSTLERZAHL.
Tournay, Gent , Ypern , Cambrai , Arras , Douai , Valen-ciennes, Löwen, Antwerpen , Brüssel, Herzogenbusch , Dord-recht und Gorcum aufgefordert wurden, Maler, Bildhauer,Werkleute überhaupt und Gehülfen zu stellen. 1 Ein ge-wisser Amand Regnault erhielt täglich 10 sols, damit erin Gent , Oudenarde und anderen „guten Städten“ nach denbesten Werkleuten im Lande Umschau halte, nach Malernsowohl als nach anderen brauchbaren Männern. Auch überdie Künstlerlölme sind wir unterrichtet. Jacques Daret ,Malermeister von Tournay, welcher mit noch mehrerenKünstlern für seehszehn Tage war angeworben worden,empfing 27 sols für den Tag. Der Sold der Anderenwechselte von 24 bis 6 sols und wurde nach einem Tariffestgestellt, welchen der Vorstand der Brügger Malerzunftfür diese Gelegenheit entworfen hatte. Alle Zahlungenwurden sorgfältig in die städtischen Rechnungsbücher einge-tragen und uns auf diese Art die Namen von nahezu 300beschäftigten Künstlern undKunsthandwerkern erhalten. Dochhaben die wenigsten derselben, wenn man Hugo van der Goes ausnimmt, noch heutzutage einen hellen Klang.
Die neuere Forschung hielt es für ihre Pflicht, gutzu machen, was die Zeitgenossen versäumt und bemühtesich durch die Erzählung des Lebens dieser Männer ihrAndenken zu wahren. Ihre Mühe war vergeblich. Wirhaben es nicht mit Persönlichkeiten zu thun, sondern nurmit einer Gattung von Menschen, in welcher der einzelneals solcher verschwindet. Diese Maler der „entremetz“waren grossentheils Männner, welche zu jeder Arbeit, diein den Bereich ihres Gewerbes fiel, bereit waren, welchesich heute verpflichteten, Geschütze anzustreichen und zufirnissen, Wappen zu malen, Fahnen zu schmücken undmorgen mit demselben Gleichmuth an die (Komposition desjüngsten Gerichtes schritten. Sie gingen, wie die übrigen
1 Rciffenberjäj. s. o.