NEUNTES CAPITEL.
In der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts, zu Vasari’s Zeiten herrschte die Meinung, dass ein sicilianischer Maler,Namens Antonello da Messina einen wichtigen, wenn nichtgeradezu den entscheidenden Antheil hätte an der Ueber-tragung der Geheimnisse der Oe-lmalerei von den Nieder landen nach Italien . Ein Buch, welches die Geschichte deraltflandrischen Malerei behandelt, kann nicht umhin, auchüber diese Dinge sich zu äussern. Antonello gehört zwarüberwiegend der italienischen Kunst an; immerhin gehörtes aber zum Schicksale der altflandrischen Schule, überdie Alpen in den Gang der italienischen Malerei eingegriffenzu haben. Ist Vasari’s Bericht stichhaltig, ist insbesondereder Weg, den nach seiner Meinung die neue technischeWeise in Italien nahm, richtig gezeichnet? Vasari giebt zuverstellen, dass die Oelmalerei zuerst in Venedig sich ein-gebürgert habe, von dort nach Mittelitalien verpflanzt wordensei. Er führt als Thatsachen an: die Erfindung der Oel-malerei durch Jan van Eyck , die Mittheilung derselben anAntonello von Messina , der sie nach Venedig brachte undhier an Domenico Veneziano übertrug. Von Domenicoempfingen die Maler Toscanas sodann die Kunde. Die ge-nauere Forschung findet aber diese Thatsachen keineswegsvollkommen sicher gestellt, die Erzählung Vasari’s mannig-facher Berichtigungen bedürftig. Zuerst muss betont werden,