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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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RATHHAUSBILDER IN BRÜSSEL .

Bilcl schildert Kaiser Trajan , der im Begriffe an der Spikeseiner Ritterschar gegen Persien aufzubrechen, von einerarmen Wittwe aufgehalten wird. Sie fordert kniefällig dieBestrafung des Mörders ihres Sohnes, welche auch sofortmit dem Schwerte vom Henker vollzogen wird. Auf derzweiten Leinwand wird Papst Gregor der Grosse dar-gestellt, welcher Gott um Gnade für den gerechten Heidenanfleht. Die unversehrte Zunge im Schädel des Kaisersvon allen Anwesenden angestaunt offenhart ihm die Erfüllungseiner Bitte. Einer anderen ebenfalls in der Literatur desMittelalters verbreiteten Legende war das dritte und vierteGemälde gewidmet . 1 Erkenbald straft mit eigener Handden Neffen, welcher einer Jungfrau Gewalt angethan undschneidet ihm den Kopf ab. Wegen dieser That weigertihm der Bischof auf dem Todtenbette die Absolution, derSterbende zeigt ihm aber im Munde die Hostie, die erdurch ein Wunder empfangen und legt auf diese Art seinRecht dar.

Rogers Rathhausbilder können als Wahrzeichen gelten,das die bildenden Künste in ihrem Yerhältniss zum Volks-bewusstsein eine neue Stufe der Entwickelung erklommenhaben, Sowohl der Ort der Aufstellung, wie der Gegen-stand der Schilderung bekunden den Wechsel in den An -schaumigen, die Abkehr von mittelalterlichen Sitten. Einprofaner Raum, ein profaner Inhalt! Wenn die Kunst hierverklärend und verherrlichend eintritt, so setzt dieses vor-

die offenbar nur für die Tapetenberechnete Farbengebung, z. B. derPferde auf der Tapete mit TrajansAuszug, sowie der Bessin der Ge-wänder, der ebenfalls die eigen-tliümliche Webetechnik vor Augenhat, sich in einfacher Tempera sein-schlecht ausnehmen würde. AlleVeränderungen zugegeben, die ausder Uebertragung der Zeichnung inem anderes Material hervorgehen,findet sich auch nicht der geringsteAnhaltspunkt, um Rogers Autor-

schaft zu vermuthen. Solche Pro-portionssünden, wie sie namentlichauf der Erkenbaldtapete Vorkommen,können nicht allein vom Teppich-weber verschuldet sein.

1 Die Legende vom Erkenbaldusde Burban findet sich fast wörtlichmit den Teppichinschriften überein-stimmend in Ccesarius von Heister-bach äialogns Miraculorum (distinctionona, de corpore Christi, eap.XXXVIII. ed. Strange II. 193).