Buch 
Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
Entstehung
Seite
328
JPEG-Download
 

328

MADONNA MIT HEILIGEN

werden. Der h. Hieronymus, jünger in Jahren als sonstüblich aufgefasst, verehrt knieend das an einem Baumehängende Orucifix, ihm zur Seite ruht der Löwe, ein Car-dinalshut liegt auf dem Boden. Der landschaftliche Hinter-grund zeigt geschlossene Baümgruppen und Felsen. Einegewisse Aelmlichkeit mit der Landschaft auf dem linkenFlügel des Genfer Altares ist unleugbar vorhanden, dieZeichnung der Hände aber strenger naturalistisch, als beivan Eyck . 1

Maciorma Ein kostbares Juwel altniederländischer Kunst, beim i tH e illg<m 'welchem man zunächst wohl auch an Memling denkenmöchte, bewahrt das Museum in Palermo . Es ist einTriptychon von kleinsten Verhältnissen und miniaturartigerVollendung, welches seit Menschengedenken im Besitze derFamilie des Duca di Malcagna im J. 1868 der neuorgani-sirten öffentlichen Sammlung geschenkt wurde.

Vor einem reich gezierten gothisclien Chorgestühl, durchdessen Bogen sich der Blick in die weite Landschaft öffnet,sitzt die Madonna mit dem Christkinde auf dem Sclioosse,welches sie mit der einen Hand unter dem Arme fasst,während ihre Linke seine Ferse stüzt. Das blonde langherabfallende Haar wird von einer Perlenschnur zusammen-gehalten und ist mit einem weissen Tuche überdeckt. So-wohl Rock wie Mantel sind roth, letzterer etwas kälter undheller in der Farbe gehalten, mit grauen Tönen versetzt.Ein allerliebster Engelsreigen schliesst die Mittelgruppe ein.Rechts hat sich ein Engel mit buntfarbigen Flügeln, denLeib mit einem dünnen Schleier bedeckt, niedergelassen undbläst eifrig die Schalmei, das Grauröckchen hinter ihmreicht dem Christkinde eine blaue Blume. Dem Schalmei-

1 Frankfurt, Städelsches Museum.Holz 0.32 h. — 0.22 br. Das Bildstammt (nach freundlichen Mitthei-lungen des Inspectors Hrn. G. Malss)ans Paris und wurde 1874 dem

Frankfurter Kunstverein um 1000 Fl.unter dem Namen Memling - abge-kauft. W. Schmidt in München schreibt es (A. A. Z. 1874) Janvan Eyck zu.