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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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EINFLUSS AUE DIE DEUTSCHE KUNST.

Schlüsse des Jahrhunderts die Temperamalerei ■— hinderteden raschen Erfolg auf dem Felde der eigentlichen Tafel-malerei; nichts dagegen stand der glücklichen Nacheiferungin der Kupferstecherkunst im Wege, in welcher die Deutschen bereits einen geraumen Weg zurückgelegt hatten und keinbis dahin fremdes technisches Verfahren erst erlernenmussten. Die deutschen Kupferstecher lebten sich raschin die niederländische Compositionsweise ein, eigneten sichdie einzelnen Formen und Typen, den Wurf der Gewänder,den Schnitt der Köpfe an, wagten sich wolilgemutli an eineschärfere ludividualisirung, und schraken vor einem biszur Spitze getriebenen Realismus nicht zurück.

Der erste und einfachste Weg der Annäherung wardie Reproduction einzelner niederländischer Stiche. Ihnschlugen unter anderen die deutschen Kupferstecher Israelvan Meckeuen aus Bocholt, 1 der wahrscheinlich in Frank-furt heimische Meister li (X §, gewöhnlich Barthel Schöngenannt, 2 und der Meister W ein, welcher früherhin undgewiss mit grösserem Rechte mit dem Lehrer AlbrechtDürer’s mit Michael Wohlgemutli identiticirt wurde, gegen-wärtig auf einen gar oberflächlichen Grund hin der „Gold-schmied Wenzel von Olmiitz“ heisst. 3 Sie copirten einzelneBlätter des Meisters vom J. 1480, der eine dieses, der anderejenes, je nachdem es ihm zusagte und er auf Absatz hoffte.

1 Nach den UntersuchungenC. Becker’s (Kunstblatt 1839, S. 141)erstreckt sich die Wirksamkeit desIsrahel van Mecken oder Meckeuenvom J. 1482—1503. Wir notirenfünf Copieu nach dem Meister vomJahre 1480.

2 Die Vermuthung naher Be-

ziehungen mit Frankfurt stützt sichauf den Stich des Wappens einerFrankfurter Familie. Die BezeicliungBartel Schön und vollends die Be-hauptung der Verwandtschaft mitMartin Schön ist luftiger Natur; aberauch der Versuch, das Monogramm

so aufzulösen, als ob Barthel Stechergemeint sei, diesen Barthel Stechermit dem Maler Bartholomäus Zeitblom in Ulm zu identificiren und diesemdann die Stiche des M.eisters 1480zuzuweisen (Harzen in Naumann’sArchiv f. z. K. VI. S. 1) kann keinenAnspruch auf Glaubwürdigkeit er-heben. Auch von Ü (X gf sind fünfCopieu nach dem''Meister 1480vorhanden.

3 Erst seit Bartsch ist der Nameus-wechsel eingetreten. Ausser Oopiennach Sehongauer sind auch solchenach dem Meister 1480 zu erwähnen,