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Paris in Bezug auf Strassenbau und Stadterweiterung : Reisebericht / J[osef] Stübben
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staben, sondern liegt etwa 10 cm zurück. Eine vereinzeltvorkommende, zierliche Einfriedigung ist aus Pfosten herge-stellt, die aus gewundenen leichten Eisenstäben bestehen,und aus Ketten, welche aus einzelnen, gewundenen und ineinander geschmiedeten Blechplättchen zusammengesetzt sind.')

Die Figuren der Beete sind in den Parks meist freigeschwungene Linien (sogenannte englische Anlagen); in denmeisten Squares ist eine Vermittelung zwischen der regel-mäfsigen Gesammtform und dem freieren Detail zu bemerken;in einzelnen Anlagen, z. B. im Tuileriengarten und im gröfse-ren Theile des Luxemburggartens bilden die Beete strenggeometrische Figuren. Das Nivellement der Beete ist ihrerGrundrifsform angepafst. Die geometrischen Beete, z. B. anden Tuilerien und in der mit dem Luxemburgpark in Ver-bindung stehenden Avenue de lObservatoire (conf. Fig. 16),haben in der Regel den Wegen entlang einen regelmäfsiggeformten, erhabenen Wulst (welcher gern mit Blumen ge-schmückt wird) oder eine scharf hinabtretende Randstufe,während die innere Rasenfläche mehr oder weniger unterdas Wegeniveau gesenkt ist. Die Beete derenglischenAnlagen sind derart nivellirt, dafs innerhalb eines leichtgeschwellten Randes die Rasenflächen als Thäler, die Bosquetsund Blumenplätze als Hügel ausgebildet sind. Die Gesträucherstehen in der Regel in dichten Gruppen, sogenannten Massifs,und sind von einem wund gehaltenen Erdstreifen oder, wasbesonders reizvoll ist, mit einem schmalen ringförmigenBlumenbeete eingefafst. Auch die vereinzelt angeordnetenBäume und Sträucher pflegen sich aus einer erhöhten, rein-gehaltenen Stelle zu erheben. Nicht allein in den Parks,sondern auch in den Squares, insofern sie nicht ausdrücklichals Vordergrund einer Architektur dienen, stehen vielfachuralte Stämme mit ausgedehnten Kronen, z. B. in dem Squaredes Arts et Metiers und im Square Saint Jeaques. Dabeiliebt man es, ältere Bäume, namentlich abgestorbene Stämme,in zierlicher Art mit Schlingpflanzen zu überziehen.

Die Besprengung der Rasenflächen erfolgt meist durchein transportables senkrecht stehendes Rohr, welches durcheinen Schlauch mit einem Hydranten in Verbindung stehtund dessen drehbarer Kopf ein oder zwei horizontale Aus-strömungsrohre trägt; das Ausströmen bringt nach Art desSegnerschen Wasserrades eine Drehung und dadurch eineVertheilung des Wassers im Umkreise des Standrohrs hervor.

Was die Pariser Stadtverwaltung in Park- und Garten-anlagen leisten kann, das hat sie in den Buttes Chau-mont 2 ) in wahrhaft grofsartiger Weise gezeigt; aus einemverrufenen, öden und durchwühlten Steinbruchterrain des entle-genen Stadttheils Villette , welches nur noch zur Schmutzablage-rung benutzt wurde, ist in kurzer Zeit durch den Pariser Bau-director Alphand, der mit Recht ein ingenieur-artiste genanntwird, unter Assistenz des Architekten Davioud , desselben,der als Baumeister des Trocaderopalastes bekannt ist, unddes inzwischen verstorbenen Obergärtners Barillet, eine An-lage geschaffen worden, welche nicht mehr ein Park imgewöhnlichen Sinne, sondern ein künstliches Stück wilder,romantischer Natur ist, das sich mit mancher berühmtenGebirgslandschaft messen kann. Grüne Thalgründe, bewach-

* Vergl. auch Ztschr. des Arch. u. Ing. Vereins zu Hannover ,1878, Figurentafel Blatt 742, Text S. 169.

2) Les Buttes-Chaumont. Notice historique et descriptive par

G. Boü6.

sene Berglehnen, Seen, schroffe Felsnadeln, steile Abhänge,Fernsichten, Hängestege und Brückengewölbe in 30 undmehr Meter Höhe über der Thalsohle, Tunnels, Grotten undWasserfälle, Pavillons, Tempel und Restaurationen bilden dielebhaftesten Abwechselungen und erzeugen die malerischestenBilder auf einer Fläche von 22 Hektar Gröfse. Die Arbeitensollen einen Kostenaufwand von 2 3 / 4 Millionen Mark erforderthaben, aber der Zweck ist auch glänzend erreicht; es istnicht allein eine der kühnsten und großartigsten Parkanlagender Welt entstanden, die von werthvollen Baustellen umgebenist, sondern gleichzeitig jene übel berüchtigte Stadtgegendzu Ehren und Werth gelangt.

III.

Sonstige öffentliche Arbeiten.

Im unmittelbaren Zusammenhänge mit dem Strafsenbaueiner grofsen Stadt stehen alle diejenigen öffentlichen Arbeiten,welche sich auf die Wasserversorgung, die Canalisirung, dieBerieselung und Reinigung der Strafsen beziehen. Es mögedaher gestattet sein, hier, anknüpfend an die Ausstellungim Pavillon der Stadt Paris im Centrum des Marsfeldes,einige Mittheilungen über die genannten Gegenstände nieder-zulegen, alsdann schliefslich die Art und Weise zu erläutern,wie man in Paris die Schwierigkeiten der Stadterweiterungs-arbeiten zu behandeln pflegt und die technischen Verkehrs-fragen zu lösen strebt.

Die Wasserversorgung.

Die verschiedenen Wasserleitungen nebst ihren Bau-werken und Verzweigungen waren auf der Weltausstellungim Pavillon der Stadt Paris theils in Plänen, theils inModellen dargestellt und gewährten einen Einblick in dasausgedehnte und complicirte Wasserversorgungswesen, welchesin den letzten Jahrzehnten durch den kürzlich verstorbenenBeigrand (inspecteur general des ponts et chaussees, direc-teur des eaux et des egouts de Paris ) zu einer seltenen Ver-vollkommnung gebracht worden ist. Die Wasserversorgungenfür den öffentlichen Dienst und für den Privatgebrauch sindin Paris völlig von einander getrennt. 1 ) Jede Strafse unter20 m Breite besitzt wenigstens eine Hauswasserleitung undaufserdem die für den öffentlichen Dienst erforderlichenRohrstränge; auf den breiteren Strafsen ist das doppelteRohrnetz sogar unter jedem Trottoir, so viel als möglich inCanälen, untergebracht. Die öffentlichen Zwecke der Spring-brunnen, der Berieselung, der Feuerhälme u. s. w. werdenhauptsächlich durch das Wasser des Ourcqeanales und ver-schiedene Leitungen von Marne - und Seinewasser bedient,für welche 6 theils von Dampf-, theils von Wasserkraftbetriebene Pumpstationen arbeiten. Für die Hausversor-gungen sind in den 60 und 70 er Jahren mehrere Quell-wasserleitungen angelegt, deren bedeutendsten diejenigen ausdem Dhuis- und aus dem Vannethale sind; letztere hat injüngster Zeit eine wesentliche Verstärkung durch die Quellenvon Cocbepie erfahren, welche mittels eines 11 km langenRohrstranges an die Vanneleitung angeschlossen worden sindund mindestens 20000 cbm täglich liefern. Der Wasserver-brauch der Stadt beträgt durchschnittlich 290000 cbm pro

1) Yille de Paris . Historique du Service des eaux, par M. Belgrand. 1875.