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Paris in Bezug auf Strassenbau und Stadterweiterung : Reisebericht / J[osef] Stübben
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Tag, wovon mehr als die Hälfte zum öffentlichen Diensteverwendet werden; pro Kopf ergiebt dies bei 2 MillionenEinwohnern den ziemlich hohen Verbrauch von 145 1. Daim ungünstigsten Falle die bestehenden Werke nur etwa300000 cbm mit Sicherheit zu leisten vermögen, so sind dieErweiterungsbauten sowohl der Quell- als der Flufswasser-leitungen in beständigem Betriebe, um ein Minimalquantumvon 400000 cbm auf alle Fälle zu sichern und um dasFlufswasser (des Ourcqcanals) allmälig ganz aus dem Haus-gebrauch zu verdrängen.

Das gröfste constructive Interesse bieten die Dhuis-und die Vanneleituug dar, deren Thalüberschreitungen theilsin Form gewölbter Aquäducte, theils als Combination vonAquäducten und Siphons zu den Meisterwerken der Ingenieur-kunst gehören. Von nicht geringerer Bedeutung sind mehrereReservoiranlagen um Paris , namentlich diejenigen von Menil-montant, von Belleville und von Montrouge . Alle drei sindin zwei Stockwerken hergestellt, von denen das eine Flul's-wasser, das andere Quellwasser enthält. Das Reservoir vonMenilmontant fafst nicht weniger als 128000 cbm, die Bau-kosten desselben excl. Terrain betragen 2 920000 Mark, also22, 8 Mark pro cbm nutzbarer Inhalt; das Bassin von Belle­ ville fafst 18000 cbm und kostet 371000 Mark oder 20, eMark pro cbm. Das von A. Descliamp unter des DirectorsBeigrand Leitung entworfene Reservoir von Montrouge zeigtin seiner unteren Etage halbkreisförmige Kreuzgewölbe aufstarken Pfeilern, oben schlanke Stützen, welche mit flachenKreuzkappen überspannt sind; die Stockwerkshöhen betragenetwa 6 resp. 4 m, der Pfeilerabstand 3, fl m; die Baustellebestand aus alten Steinbrüchen, welche die Fundirungs-arbeiten in besonderer Weise erschwerten.

Alle Wasserversorgungsanlagen sind von der Stadt erbautund städtisches Eigenthum; der Betrieb ist indefs mit Aus-nahme einiger Aufsenorte, die von der Compagnie des Eauxde la banlieue besorgt werden, 4 ) an die Compagnie gendraledes Eaux verpachtet. Der Preis pro cbm Quellwasser istauf 10 Centimes (8 Pfennig), pro cbm Ourcqwasser auf 4 Cen-times (3 1 / 5 Pfennig) festgesetzt. Von Interesse wird dieNotiz sein, dafs im Jahre 1872 von den 29302 Häusern inden 11 älteren Stadtbezirken 23874, also 82%, von den34661 Häusern der 9 übrigen Arrondissements dagegen nur16764, d. h. 48% an die städtische Wasserversorgung an-geschlossen waren. Die gesammte Länge des Rohrnetzesbetrug am 1. Januar 1875 1 370427 lfde m, oder 183deutsche Meilen, davon 1307422 in Gufseisen, 57790 inEisenblech, 3877 lfde m in Blei, 1338 in Cementbeton; dieDurchmesser variiren zwischen 27 und 135 mm für Bleirohre,41 und 1100 mm für Eisenrohre, die Lichtweite von 1, 80 mhat nur ein Cementrohrstrang. Ein grofse Anzahl von öffent-lichen Laufbrunnen ist durch die Stadt verbreitet, welchein zinnernen Bechern dem Dürstenden frisches Quellwasserdarreichen; ein beträchtlicher Theil derselben wurde voneinem Privatwohlthäter, Namens Wallace, errichtet, weshalbder Name Fontaines Wallace auf die Strafsenbrunnen, diein neuerer Zeit nach einem vereinfachten Modell 2 ) herge-stellt werden, allgemein übergegangen ist.

1) Mdmoires de la societe des Ingenieurs civils, 1877, S. 666.

2) Nouvelles Annales de la construction 1878, S. 107.

Die Canalisation.

Die vortreffliche Ausführung der Pariser Canalisationund die sinnreichen Reinigungsvorrichtungen (Schütze, Eisen-bahnwagen und Schiffe) sind aus anderen Publikationen be-kannt. l ) Obwohl die Länge der Canäle etwa 550 km beträgt,ist doch das Canalnetzwenig über die Hälfte vollendet.Der Ausbau desselben, die Erweiterung der Rieselanlagenvon Gennevilliers (die auf etwa 9 % Millionen Mark veran-schlagt ist)., die Unterdrückung der Abtrittsgruben und derAbfuhrlagerplätze (namentlich desjenigen von Bondy) bildenein Feld energischer Thätigkeit. 2 ) Vierzehn verschiedene Mo-delle von Canalprofilen waren im Pavillon der Stadt Paris auf dem Marsfelde ausgestellt, vom einfachen Rohr bis zum7 m weiten, schiffbaren Collecteur general; s ) ein besonderesInteresse erregte die in Modellen dargestellte Bauausführungeines Betoncanales von kreisförmigem Querschnitte und etwa1 m Lichtweite; in dem Canalgraben war ein der Canalformangepafstes Lehrgerüst verlegt, zwischen dessen concentrischeBretterwandungen der Cementbeton von oben eingeschüttetwird; direct über der Arbeitsstelle liegt nämlich die voneiner Locomobile betriebene Mischtrommel, welche auf einemGel eis über den Grabenrändern weiter gefahren wird; Wasser-eimer, Kiessäcke, Cementsäcke und Arbeitsgeräthe vervoll-ständigen das Bild.

Die Berieselungspumpstation bei Clichy hat 2 Maschinenvon 150 und 250 Pferdekräften, welche mittels Kreisel-pumpen in der Secunde 500 bis 1000 Liter Canalwasserheben. Das Netz der Rieselgräben hat eine Gesammtlängevon circa 27 Kilometer; die meisten Canäle sind Beton-röhren, die über bewegliche Schablonen gegossen werden,einen Druck von 6 bis 8 m Wassersäule aushalten und bil-liger sind als Gufseisen- oder Thonrohre. Die landwirth-schaftlichen Ergebnisse der Berieselung werden als befriedi-gend bezeichnet, die Getreidecultur macht den Gemüsepflan-zungen, Kunstwiesen etc. immer mehr Platz. Den durchübermäfsige Tränkung und ungenügende Entwässerung desBodens gemachten Fehlern soll durch Ausdehnung derFlächen und Verringerung des auf die Flächeneinheit ent-fallenden Quantums Rieselwasser abgeholfen werden. 4 )

Canaldeckel, Einsteigeschächte und Einläufe befindensich in Paris nie in der Fläche der Fahrstrafse; die Ein-läufe sind stets seitlich unter der Kante des Trottoirs ange-bracht, und zwar in der Bordschwelle selbst, deren Höhehier 17 cm über der Rinne beträgt; alle neueren Einläufesind durch einen besonderen Nebenschacht besteigbar. DieSchächte und Deckel (auch der Wasserleitung) befinden sichin den Bürgersteigen und sonstigen Fufswegen.

Die für die Einmündung der Hausentwässerung in dieStrafsencanäle zu entrichtenden Gebühren sind in Paris alsJahreszahlungen für jedes Fallrohr festgestellt; dieselbenbetragen 24 Mark für jede blofse Einführung flüssiger Stoffe,

1) Vergl. Zeitschrift des Arch. u. Ing. Vereins zu Hannover ,1877 , S. 687.

2) Assainissement de Paris . Transformation de la vidange etSuppression de la voirie de Bondy. Aehevement des dgouts et emploide leurs eaux dans lagriculture. Memoire de linspecteur gdndral desponts et chaussees, directeur des eaux et des egouts. 1875.

3) Vergl. Correspondenzblatt des Mederrheinisehen Vereins füröffentl. Gesundheitspflege, 1877, S. 89.

4) Vergleiche Deutsche Vierteljahrsschrift für öffentl. Gesund-heitspflege, 1877, S. 434. Bevue de larchitecture et des travauxpublics, 1878, S. 187. Annales industrielles, 1878, S. 75.