20 — Geschichte der Astronomie. — 7
ebensowenig zuverlässige Resultate geben konnte, als die nahe gleich-zeitig von Rainer Gemma'* empfohlene direkte Zeittibertragung mit-telst der durch Peter Henlein c kurz zuvor erfundenen tragbarenUhren. — In litterarischer Beziehung war die erste Hälfte des16. Jahrhunderts noch stark durch die Herausgabe der Klassikerund anderer vor Erfindung der Buchdruckerkunst verfasster Werkein Anspruch genommen, und es liegt wohl zunächst hierin der Grund,dass aus dieser Zeit keine didaktischen Werke von grösserer Be-deutung zu verzeichnen sind f; dagegen war gerade damals die vonKonrad Gessner a mit eisernem Fleisse und stupender Gelehrsamkeitangelegte „Bibliotheca universalis. Tiguri 1545 in fol.“ ein sehrzeitgemässes Unternehmen, dessen Ausführung noch jetzt von allenBibliographen nicht nur bewundert wird, sondern ihnen erlaubt, jenesWerk wie eine Quelle zu benutzen.
Zu 5: n. Nikolaus Köppernigk oder Coppernicus (Thorn 1473 — Frauen-burg 1543) begann seine Studien in Krakau , wo, zwar damals der ausgezeich-nete Albertus Blar gen. Brudzewski (Brudzewo 1445 — Wilna 1497; Prof, matli.et theol. Krakau, zuletzt Sekretär des Fürsten Alexander von Lithauen) keinemathematischen Vorlesungen mehr gab, aber noch seine Schüler lehrten, undihn z. B. mit der Handhabung des Astrolabiums vertraut machten; dann setzteer dieselben in Italien fort, wo ihn Domenico Maria di Novara (Ferrara 1454 —Bologna 1504; Prof. math. et astron. Bologna ) noch vollends in die praktischeAstronomie einführte. Für weitern Detail, sowie für sein späteres Wirken inFrauenburg als Arzt und Domherr, verweise ich auf „Leopold Prowe (Thorn1821 — ebenda 1887; Gymnasialprofessor in Thorn ), Nikolaus Coppernicus.Berlin 1883—84, 2 Teile in 3 Bdn. in 8.“ Auf den unfruchtbaren Streit, ohCoppernicus ein Deutscher oder ein Pole gewesen sei, trete ich nicht näherein; aber immerhin scheint die Existenz des Ortnamens „Köppernik (bei Franken-stein im schlesischen Erzgebirge )“ dafür zu sprechen, dass seine Familie ur-sprünglich deutscher Herkunft war. — b. Für weitern Detail und die ver-schiedenen spätem Ausgaben und Übersetzungen vgl. 200. — c. Peter Bienevitzgen. Apian (Leissnig in Sachsen 1495 — Ingolstadt 1552) war Schüler vonTanstetter in Wien und wurde 1527 Prof. math. et astr. Ingolstadt , wo ernebenbei eine „Officina“ errichtete. Vgl. für ihn und seinen Sohn Philipp (Ingol-stadt 1531 — Tübingen 1589; Prof. math. Ingolstadt und Tübingen ) die Schrift„Sigm. Günther, Peter und Philipp Apian. Prag 1882 in 4.“ — d. RainerGemma-Frisius (Dockuin in Friesland 1508 — Löwen 1555) war Prof. med. Löwenund Vater von Cornelis Gemma-Frisius (Löwen 1635 — ebenda 1577; Arzt undProf. med. et astr. Löwen). — e. Peter Henlein (Nürnberg 1480? — ebenda1542) war Schlosser in Nürnberg . Vgl. für seine Erfindung 122 und die Artikelvon C. Friedrich im dahrg. 188(5 des Journ. f. Uhrenmacherkunst. — /. Icherwähne die anonyme Schrift „La theorique des cielz mouvemes et termespratiqnes des sept planetes, nouvellement et tibs clairement redigee en languagefrägois. Paris 1528 in fol.“, die von Oront. Finäus herrühren könnte, da 1557zu Paris aus dessen Nachlass eine ganz ähnlich betitelte Schrift erschien. —Ferner „Alessandro Piccolomini (Siena 1508 — ebenda 1578; Koadjutor desErzbischofs von Siena ), Deila sfera del mondo libri IV, con libro uno delte