537
445
die Sonne erleuchtet sei und sich um dieselbe drehe. Bald nachher wurdeauch Marius auf diese Lichtgestalten aufmerksam; namentlich aber beobachteteFr. Fontana dieselben von 1643 I 22 an mehrfach, wobei er die Lichtg'renzenzackig zeichnete, also Berge zu bemerken glaubte, — ferner Math. Hirzgarter,in dessen „Detectio dioptrica corporum planetarum verorum. Frankfurt 1643in 4.“ man in Beziehung auf Venus und Merkur die schönen Verse liest:„Der Sonnen sind wir beyd verwandt, — Zunächst um sie her wir den Lanffliand, — Wachsend und schweinend wie der Mon, — Wie man durch d’Rohrwol sehen kan“, — sodann Joh. Hevel, welcher die Phasen (vgl. seine „Pro-legomena Selenographim“) im Spätjahr 1644 wiederholt beobachtete und zeich-nete, — etc. — b. Nachdem es 1665 und 1666 Cassini (vgl. 550 und 539) ge-lungen war, die Rotationen von Jupiter und Mars nachzuweisen und ihreDauer zu ermitteln, versuchte er dieses Problem auch bei Venus zu lösen,und wenn er dabei (vgl. seine „Lettre ä Mr. Petit touchant la decouverte dumouvement de la planete Venus autour de son axe“ im Journ. d. S. 1607)auch grössere Schwierigkeiten fand, so glaubte er doch durch Verfolgungeiner hellem Stelle ans Ziel gelangt zu sein und teilte sein Schlussresultat inden Worten „Je puis neanmoins dire qu’en moins d’un jour eile achfeve sonmouvement, de maniere qu’en 23 heures (die „jours“ des J. d. S. stehen mitdem Vorhergehenden in so totalem Widerspruch, dass sie einfach als Druck-fehler zu betrachten sind) ä peu pres eile revient environ ä la meine Situationdans la planete de Venus“ mit, dasselbe, wie es scheint, auch in seiner „Dis-ceptatio apologetica de maculis Jovis et Martis A. 1666 et 1667, et de con-versione Veneris circa axem suum. Bononioe 1667 in 4.“ festhaltend. Späterwollte Francesco Bianchini (Verona 1662 — Rom 1729; päpstl. Kammerherr)in seiner Schrift „Hesperi et Phosphori nova phsenomena, sive Observationesplanetae Veneris. Roma 1728 in fol.“ die Rotationsdauer der Venus auf volle24 1 ’ 8 h erhöhen, und veranlasste dadurch Jacques Cassini (vgl. Hem. Par.), diesämtlichen Beobachtungen seines Vaters einer Neuberechnung zu unterwerfen,welche ihm nunmehr 23 h 15'" ergab, während unter der Annahme, es entsprechenden 24 , / 3 d Bianchinis volle 25 Rotationen, 23 h 20™ folgte. An letzterer Zahlhielt auch Maraldi (Conn. d. t. 1750) fest, während sich Schröter, gestützt aufeigene Beobachtungen kleiner Ungleichheiten, aber allerdings etwas durch dieAnnahme beeinflusst, dass der Cassinische Wert annähernd richtig sein werde,in seiner Schrift „Cythereographische Fragmente. Erfurt 1793 in 4.“ und nochspäter für 23 h 21™ 19' aussprach, — eine Zahl, welche sodann fast allgemeinangenommen und namentlich auch durch Fr. de Vico (A. N. 404 von 1840) nurum 3" vergrössert wurde, obschon W. Herschel in seinen „Observations on thePlanet Venus (Ph. Tr. 1793)“ und dann wieder Flaugergues (vgl. Not. de l’Acad.du Gard von 1822) die Zuverlässigkeit derselben angezweifelt und sich mehrzu Gunsten von Bianchini ausgesprochen hatten. Je weniger letztere Zweifelbeachtet worden waren, um so grösseres Aufsehen machte es, als 1890 Schia-parelli, nachdem er die Arbeiten seiner Vorgänger einer scharfen Kritik unter-worfen und mit seinen eigenen Wahrnehmungen verglichen hatte, sich inseinen „Considerazioni sul moto rotatorio del pianeta Venere (Rendic. Ist.Lomb.)“ dahin aussprach, dass auch bei Venus ähnliche Täuschungen wie beiMerkur vorgekommen seien, und deren Rotationsdauer nahe, wo nicht ganz,mit ihrem siderischen Jahre von 224'',7 übereinstimmen müsse, womit sich als-bald auch Perrotin nach Beobachtungen in Nizza einverstanden erklärte. Da-gegen fand (vgl. Rev. scient. 1891 VI 20) ,T ,T. A. Bouquet de la Grye unter