Band 
Vierter Halbband.
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507
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574 — Kometenbeobachtungen u. darauf basierende Anschauungen. — 507

in unserer Zeit (577) eine gewisse Rolle spielenden Kometen von 1556 fleissigbeobachteten, so dass deren äusserst selten gewordene betreifende Publikatio-nen, für welche auf „K. v. Littrow , Drei Quellen über den Kometen von 1556(Wien . Sitz. 1856)“ verwiesen werden kann, von grossem Werte sind. Sodannist Landgraf Wilhelm zu erwähnen, der den Kometen von 1558 entdeckte unddenselben, sowie denjenigen von 1577, sorgfältig verfolgte. Mit letzterm Ko-meten, den auch Paul Fabricius und Job. Prätorius wahrnahmen, sowie derberühmte Alchymist Leonhard Thurneysser (Basel 1531 — Köln 1596; erstGoldschmied, dann Metallurg und Arzt, — sehr talentvoll, aber etwas mauvaissujet) in seinem „Bericht über den in diesem lauffenden 77. Jar erschienenenCometen. Berlin 1577 in 4.“ gar nicht übel beschrieb, begann ferner Tycho seineergiebigen, in den erst neuerlich durch Priis aus dessen Nachlass heraus-gegebenen „Observationes septem Cometarum. Hafnite 1867 in 4.“ niedergelegtenKometen-Beobachtungen, und erwarb sich sofort das Verdienst, dasjenige wirk-lich auszuführen, was schon Regiomontan und dann wieder Apian angestrebthatten: Er mass nämlich unter andern] 1577 XI 30, 6 1 ' Abends, die Distanzdes Kometen von u Aquilre, fand sie gleich 17° 45', während Hageccius in Prag fast gleichzeitig 17° 52' erhielt, und konnte nun, da Komet und Stern nahein demselben Vertikal einen tiefen Stand hatten, aus dieser geringen Differenzmit aller Sicherheit schliessen, dass die Parallaxe des Kometen zu jener Zeitviel kleiner als die des Mondes gewesen sei, also der Komet weit über derSphäre des Mondes gestanden, folglich nicht nach der alten Lehre „der unternLuft“ angehört habe, wodurch die kosmische Natur mit aller Evidenz erwiesenwar. Waren aber die Kometen Gestirne, so mussten sie auch gesetzmässigeBahnen besitzen, und da sprach sich der unvergleichliche Kepler, der als Be-weguugsform um die Sonne nur die Ellipse kannte, welche bei den Kometenwegen mangelnder Periodicität ausgeschlossen schien, in seinem „ AusführlichenBericht von dem 1607 erschienenen Haarstern. Hall 1608 in 4.“ dahin aus,dass „der Cometen Bewegung eine gerade Linie sey, wie eines Ragetels, undnicht circularisch wie die der Planeten“, — eine Meinung, welche auch denmeisten seiner Zeitgenossen einlenchtete, so z. B. dem durch erste Anwendungdes Fernrohrs'auf den Kometen von 1618 verdienten Cysat, auf dessen „Mathe-inata astronoiniea de loco, motu, magnitudine et causis Cometm qui 1618—19in coelo fnlsit. Ingolstadii 1619 in 4.“ bei dieser Gelegenheit hingewiesenwerden mag. — Einen wesentlichen Fortschritt leitete ein „Pisa 1665 II 10“datierter Brief ein, welchen Giovanni Alfonso Borelli (Casteinnova 1608Rom 1679; Prof, matli. Messina und Pisa ; dann eine Hauptzierde der in 10erwähnten Accademia del Cimento in Florenz ) unter dem angenommenen Namen„Pier 9 Maria Mutoli“ an Pater Stefano de Angeli nach Padua schrieb unddann noch im gleichen Jahre zu Pisa unter der Aufschrift „Del niovimentodella Cometa apparsa il mese di Dicembre 1604“ abdrucken liess: Mau siehtnämlich aus diesem höchst selten gewordenen und sogar von Pingre über-sehenen Aktenstücke, dass Borelli den besagten Kometen nicht nur beobachtete,sondern auch allseitig studierte, — dass er hierauf gestützt die Kometen alsGestirne ansah, zur Erklärung ihres Laufes aber der Bewegung der Erde be-durfte, und somit dem von ihm vorsichtiglich als „Ipotesi Pitagorica “ auf-geführten Coppernicanischen Systeme den Vorzug vor dem Ptolemäischen undTychonischen Systeme geben musste, — und es damals wahrscheinlich fand,dass der untersuchte Komet sich in einer Ellipse bewege, immerhin beifügend„o per altra linea curva“. Erst in einem, von Borelli 1665 V 4 aus Pisa an