6z6 Geschichte
ken seines Freundes schuldig sey. Sie befahl daraufihrem Sohne zu ihm zu gehen. Ergehorchete, ergiengzitternd und als ein Missethäter zu ihm. Boilcau,nahm ein ernsthaftes Wesen an, sagte ihm, das Ge-dichte, so ihm sey gezei'get worden, sey von allzu-geringer Wichtigkeit, als daß er daraus abnehmenkönne, ob er etwas Geist habe, und fügte hinzu:Sie müssen sehr dreißte seyn, bey dem Namen, wel-chen ste tragen, sich zu unterstehen Verse zu machen.Nicht daß ich es für unmöglich ansehe, daß sie ein-mal in den Stand sollten geseht werden, gute Versezu machen, aber ich habe ein Mistrauen auf Allesdasjenige, welches ohne Beyspiel ist: man hat niegesehen, daß ein großer Dichter ein Sohn einesgroßen Dichters gewesen sey. Dem jüngern Soh-ne des Corneille fehlste es nicht gänzlich an Geiste:er wird gleichwohl nie etwas anders werden, als dersehr kleine Corneille. Nehmen Sie sich wohl inAcht, daß Ihnen nicht ein gleiches widerfahre.Werden Sie sich überdem entübrigen können, sichdieser oder jener einträglichen Beschäfftigung zu wid.men? Und meynen Sie, daß die schönen Wissen-schaften eine solche seyn? Sie sind ein Sohn einesMannes, welcher der größte Dichter seines Jahr-Hunderts gewesen ist, und zwar eines Jahrhunders,in welchem der Fürst und die Staatöbedienten demVerdienste, um es zu belohnen, entgegengiengen.Sie müssen besser, als jemand anders, wissen, wieweit das Glück gehe, so man durch Verse machenkönne. Herr Racine drücket sich bey Erzählungdieser Besonderheit dahin aus, daß er sich solche
schlecht