des Herrn Ludewig Racine. 6z?
schlecht zu Nutze gemacht habe *). Doch die Lieb-haber der Werke des Geistes, und die Verehrer derReligion, werden es ihm Dank wissen, daß er dieErmahnung des Boileau nicht so tiefe Eindrückein seinem Herzen hat machen lassen, und sein Talentzur Dichtkunst nicht vergraben hat.
Es ist merkwürdig, daß seinem Triebe zu dieserKunst, in welcher er gleichwohl hernach so groß ge.worden ist, mehr alö einmal in seiner Jugend einZügel habe angelegt werden wollen. An einem an.deru Orte **) thut er folgender Begebenheit Erwäh.nung. Der durch seine ausnehmende Gelehrsam«fest so hoch berühmte Abt von Longnerüe hatt«kein einziges poetisches Buch in seiner Bibliothek;nicht, daß er keine Dichter sollte gelesen haben:denn, was hatte er nicht gelesen? Aber vermuth-lich schätzte er sie nicht hoch genug, um ihnen einenPlatz in seiner Bibliothek zu vergönnen. Die Liebedes Herrn Racine zu Versen, mußte bey einemBesuche, den er ihm in seiner Jugend abstattete,Vieles leiden. Die Unterredung fiel auf die Dichter.Er ließ sie Alle, alte und neue, durch die Musterunggehen, und sprach von allen mit Verachtung, alsvon unnützen Schriftstellern, von denen man nicht-lernen könne. Blos allein des Ariost schien er nochzu schonen. Dieser LTlarr, sagt er, hat mir nochmannichmal die Zeit vertrieben. Ich hielt mich,sagt Herr Racine, nach diesem Besuche versichert,baß die Gelehrten und die Dichter nicht geneigt sevn
sich
*) Oeuvres Tom. I. p. i;<l.
**) Tom. VI. p. ist.