des Hrn. George Friedrich Deinlein. 355
Er war ein Muster der seltnen Tugend, womitman die Feinde liebt. Es war ihm ab«er nicht ge-nug sie zu lieben; er ertheilte ihnen Wohlthaten,und er war htebey so bescheiden, daß er sich niema-len wollte einen Dank geben lassen. Die Armenhatten den mildesten Vater an ihm; und ist irgendjemand zu finden, der seine linke Hand nicht wissenlässet, wa6 die rechte thut, so war ers. Das al-lerseltenste in seinem Character warm die Verbindungder Großmuth und Demuth. Wenn alle Weltseine Größe und herrliche Eigenschaften bewunder»te; so erhob er sich doch nicht. Groß und nichtstolz seyn, Vollkommenheiten haben und sich dochFehler und Unvollkommenheiten bewußt seyn, sinddie vortrefflichen Züge, die wir in seinem Bilde an-treffen. Den Seinigen, seinen Töchtern, Söh-neu und Schwiegersöhnen und allen Anverwandtenbegegnete er mit einer gewissen Zärtlichkeit, die sichnur empfinden und sehen, nie aber sagen und be-schreiben ließ. Wie sich treue Brüder und Ehe-gatten, die einander viele Jahre nicht gesehen haben,begegnen und küssen: so war er täglich gegen dieSeinigen; und eben dadurch wurde er ihnen alleTage ehrwürdiger und unentbehrlicher, absonderlich,da sich mit der Liebe und dem Ansehen, daß er un-ter ihnen hatte, die größte Sorgfalt für ihr wahresWohl, für ihre Gesundheit und Leben verknüpfte.Und seine Großmuth war eö auch, aus welcher derbeständige, allezeit gleiche und unermüdete Amcsei«fer Herfloß. Die Wohlfahrt der Universität lagihm Tag und Nacht am Herzen. Seine Mitarbei-‘ fer.