Band 
[Band 4.]
Seite
544
JPEG-Download
 

544 Zur Geschichte

(welche man eine Zärtlichkeit nennet,) mir destodeutlicher an den Tag lege. Ich lasse denGnaden-stand Luthers dem Herzenökündiger über, undspreche ihm solchen nach dem Urtheil der Liebe nichtab; sondern glaube gewiß, daß er mit Schwach.Heiken, (welches nicht allezeit bloße Uebereilungeneiner Menschlichkeit sind, noch aus Unwissenheit, son.der» aus Eigenliebe herrühren- noch wohl bestehenkönne. Wenigstens die Beyspiele des !7!oah, Loth,Jacob,David und anderer, lassen mir solches hoffen.Was auci.Lurhrr gegen ^chrvonkfcldcn gethan;sehe ich noch als eine durch dessen feurigen Cha-rakter anhaltende Uebereilunq an, und bediene michgar nicht der mir an die Hand gegebenen AuS-ssuchk, we,en der Note. Hat aber Luther wohlwissentlich, beharrlich und vorsetzlich, bloß aus einerEhr-und Primat.Sucht, eine fromme, obwohl ir-rende, jedoch fromme, und Christum aufrichtigliebende Seele, nicht nur einen Rottengeist, son»dern dlij. einen harren und Teufel schelten dürfen,und solches niemals herzlich bereuet: so gestehe ich,daß ich wegen Luthers Gnadenstande sehr verlegenwerde, und dem lieben Gott danke, daß die Recht-mäßigkeit der Reformation und Wahrheit der Re-ligion sich nicht auf einen Menschen gründe.

Ob ich mich aber dadurch verdächtig mache,als suche ich die Vereinigung nicht aus Liebe,' son-dern aus Absichten auf Vortheile; solches überlasseder ganzen ehrbaren und redlichen Welt. WaSmich angehet, so gestehe meine Blödigkeit, diese

Absich.