848 Geschichte
Strahlen der Hoffnung in mein Herz schießen; zuandern Zeiten aber war ich mit Furcht und Schre-cken erfüllet, obwohl ich meine Gemüthöumständeniemand entdeckte, sondern solche, im Gegentheil,vor einem jeden zu verbergen suchte.
Die besondere Begebenheiten meines Lebensvon dieser Zeit an, bis ich dasAlter von neunzehnJahren erreichete, sind von solcher Erheblichkeitnicht, daß ich den Leser damit aufhalten sollte, weilich mich nicht erinnere, daß außer dem, so ich be-reits angemerket, in dieser Zeit etwas merkwürdi-ges , welches auf meine geistliche Wohlfahrt einigeBeziehung habe, vorgefallen sey. Nur kann ichsagen, daß mein Leben in einer beständigen Ab-weichung von gottesdiensilichen Gedanken bestan-den : ich verlohr allen Geschmack am Lesen ernst-hafter Bücher: der Geist dieser Welt nahm meinHerz immer mehr und mehr ein, und erfüllete esmit einem eitelen und unbeständigen Wesen. Und,ohschon ich nicht in grobe Ausschweifungen äußer-licher Sünden gerieth, so war mein Herz gleich-wohl eben so stark zum Bösen geneigt, als das Herzdes größesten Freygeistes. Meine Erziehung unddie Furcht vor Schande hielten mich nur zurück;so, daß ich, obschon meine natürliche Verdorbenheitin kein äußerliches ungebundenes Wesen auöbrach,doch in meinem Herzen, eine Freyheit zu Sündi-gen zu besitzen wünfchete.
Nun urtheile der Leser, ob ich nicht in diestmZustande, in Gottes Augen, todt in Sünden seygewesen, ob ich gleich in den Augen der Menschen
sehr