des Herrn Cornelius Caylcy. 917
fett. Denn so bald ich die Kanzel betreten, wur-de mein Herz, ob ich gleich meine Predigt sehrwohl auswendig gelernet, ganz muthloß, und mei-ne Knie sanken meder: Denn, dieweil ich meinVertrauen auf mein Gedächtniß, und nicht aufden Herrn gesetzet hatte, so sahe ich mich von deinBeystand seines Geistes verlassen; und nachdemich meinen Text hatte vorgelesen, war mir meinganzer Entwurf und Ordnung entfallen, und konn-te mich weder auf die Hauptsachen, noch auf et-was anders besinnen; mit einem Worte, meinePredigt ward die elendeste Arbeit, welche kannerdacht werden. Also gefiel cö dem Herrn, mirmeine Thorheit zu erkennen zu geben, und michin solch einen küminerlichen und armseligen Zu-stand dem Volke darzustellen, welcher mich mitBetrübniß und Schaam erfüllete.
So bald ich zu Hause gekommen war, siengich dasjenige, welches sich zugetragen, zu über-denken an, und faßte den Entschluß, nicht mehrzu predigen: aber da bey mir die Vermuthungaufstieg, daß der üble Erfolg meiner Predigt mei-nem Unglauben und Vertrauen auf eigene Kräftezuzuschreiben wäre, entschloß ich mich, eö nocheinmal zu wagen, und mich ganz und gar auf denHerrn zu verlassen, sowohl in Ansehung desStoffes, worüber, als auch in Ansehung der Artund Weise, wie ich predigen sollte; würde ichdann befinden, daß mir der Hm nicht beystünde,so gedachte ich, daraus den Schluß zu machen^
daß