9*8 Geschichte
daß ich berufen sey, in der Verkündigung der Pre-digt deS Evangelii nicht weiter fortzugehen.
In diesem Entschluß betrat ich gar bald dar-auf die Kanzel zum andern male, ohne vorher zubedenken, was ich sagen sollte; und da (Gott seyes gedankt) wurde mein Herz auf die angenehmsteWeise geöffnet, »ind ich empstcng Freymüthigkeit zureden. Es war also klar am Tage, daß der Herrmit mir wäre. Hierauf wurde ich ganz wiederaufgerichtet, und beschloßes inö künftige allein aufden Herrn ankommen zu lassen, und auf bett'Beystand feines Geistes, der mich zum predigenwürde geschickt machen, zu vertrauen. Und ichhabe (gelobet sey sein heiliger Name!) nachdemich nun schon ohngefahr sechs Jahr als ein unwür-diger Diener Jesu Christi gearbeitet habe, noch niedie geringste Ursache gehabt, mich über dieses Ver-trauen zu beklagen; denn es hat Gott gefallen, mirmehr als ich erwartete, zu helfen und beyzustehen.Ich finde es auch viel leichter und gemächlicher,durch die Kraft des Glaubens an Gott vor dergrößesten Versammlung eine Rede zu halten, alswenn ich auf der Kanzel meine Rede geschriebenvor mich liegen hatte. Und ich kann wohl mitWahrheit bezeugen, daß die zuvorgcmcldcce Be-trachtung, in deren Ausarbeitung ich mir vieleMühe gegeben hatte, die unvollkommenste undverworrenste Predigt war, die ich jemals aufge-fetzet. Der Herr gebrauchte dieses als ein kräfti-ges Mittel, um dadurch vorzubeugen, daß ich je.mals wieder auf solch einen zerbrochenen