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Bedarfs aus sarbigem Glas zu machen. Mit gläsernen Griffeln schriebman auf die Wachstafeln; bunte Glasperlen trug man in den Pater-nostcrkranzen; besonders wurde das Glas zu Dingen einfachen Putzesgebraucht, und manch armes aber hübsches Kind des Volkes trug seingläsernes Ninglein, das an schöner Hand selbst den ritterlichen Mannmehr entzücken mochte als der Goldreif mancher hochgeborncu Dame.So wenigstens hören wir es aus dem licderreichen Munde Herrn Wal-thers von der Vogelweide, wenn er singt/)
„leb vortrage als iob vsrtruooruiä als iob ismsr reit vertragen:
ckü bist soboens uncl bast gsnuoo.
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svaz sie sagsn, iob bin äir boltunä nim ä!n Z-lssin vin§srltn kür einer büniKinne Aolt."
Dagegen scheint die Anwendung des Glases zum Verschluß derFenster weder früh noch allgemein in Gebrauch gekommen zu sein.In der karolingischcn Zeit und noch bis in's 11. Jahrhundert hineinwird es stets ausdrücklich hervorgehoben, wenn eine Kirche sich solcherAusstattung erfreute: ein Beweis, daß selbst in Gotteshäusern Glas-fenster eine kostbare Seltenheit waren. Sogar in einem so alten undreichen Kloster wie Tegernsce mußte die Kirche sich bis gegen dasJahr 1000 statt des Glases mit vorgehangcnen Tüchern behelfen;dagegen war freilich in der Schweiz schon ein Jahrhundert früher inSt. Gallen , diesem Sitz einer hohen Geistcskultur, die Schreibstubedes Klosters mit Glasfenstern versehen/) wie denn noch in karolingischcrZeit dort ein Glasmacher Streicholfus genannt wird, dem KönigLudwig der Deutsche seinen ganzen Anzug schenkt/) Aber selbst im^3. Jahrhundert sind Glasfenster auch in vornehmen Häusern keines-wegs allgemein verbreitet, und wenn auch Wolfram von Eschen-dach in einem Liede «Von äsn läiolesn, äis äsr tno ist änrlläns spricht und im Aarcsval (553, 5) ein Gemach schildert