Buch 
2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
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Ich merke jedoch schon, daß dieser flüchtige Eifernicht zur wissenschaftlichen Beharrlichkeit werden wird,da steht ihren poetischen Gemüthern die Empfindsam-keit im Wege; sie hängen zu viel an den schönen Far-ben nnd zarten Formen der Pflanzen, haben Vorliebefür diese und jene, machen Freundschaft mit ihnen,und können es nie recht übcrs Herz bringen, sie kalt-blütig zu verstümmeln, oder mit grausamer Hand inein Herbarium hincinzukrcuzigcn. Die Namen, diehochklingcndcn wollen sie wissen, das ist alles, dasmacht Effekt! denn es gehört jetzt zum eleganten Ton,keine Reise zu machen, ohne sie zu beschreiben, undkeine Beschreibung, ohne von einigen aufgefundenenBlumen die linnsische Terminologie anzugeben, so daßder Reisende, wenn er nur ein Veilchen pflückt, daser mit Sehnsucht an den Busen der Geliebten zu hef-ten wünscht, nie vergessen darf, das Corpus delicti mitViola oclorsta L,in. zu bezeichnen, wobey der gedul-dige Leser nicht nur sein Wissen ehren, sondern ihmwohl auch noch eine Ähnlichkeit mit dem genialischenRousseau zutrauen soll, der diese Kunde so beredt alsden einzigen Trost in seiner Mcnschcnvcrlassenhcit an-pries, und auch darin das Loos großer Männer theilte,daß er viele kleine zu Narren machte. Es ist unbe-greiflich, wie magischschncll sich modische Dcnkuugsartverbreitet; und damit wird auch heul zu Tage dieseliebliche Wissenschaft verhndclt, weil man alles ins All-tägliche hinabzieht, und dann dabey stehen bleibt, das