68
in seiner gcldivcchsclndcn Schreibstube, das ist keinevernünftige Frage. Der ist es, der am unabhängig-sten von seiner eignen und fremden Leidenschaft lebt,sey er denn arm oder reich; jeder kann es, in großer ^oder kleiner Gesellschaft, auf den Bergen oder in> ^Thalc. Für meinen Wohnplatz würde ich jedoch den !Ort wählen, wo die Natur freundlicher, und das, was !nur Mittel zum vernünftigen Lebensgenuß seyn sollte,nicht so sehr Zweck ist; wo die Lebensart der gutenGesellschaft mehr Anstand, und mehr Uebereinstim-mung mit meiner Lage und Gewohnheit hat. In denschweizerischen Handelsstädten ist kein Adel von Be- !deutung; dort ist, wenn auch schon das Verdienst ge- ^ehret wird, doch das reichste Haus das vornehmste; ^und da manche, die vorher nichts galten, in kurzerZeit zu großem Reichthums gelangen, so gcräth da-durch der Ehrenwahn und das Vorrecht des Ansehensoft in sonderbare Hände, und die meisten dieser Leutesetzen dann den guten Ton in Aufwand, Geräusch undandre äusserliche Dinge, der doch nicht in diesen Din-gen selbst, sondern nur in der Art und Weise ihresGebrauchs, nicht in nachäffendem Wechsel, sondern imrichtigen Gefühle der Anständigkeit besteht. Des Adel-stolzes, der etwa noch in jener deutschen Stadt herr-schen mag, bin ich schon gewohnt, der ist nur bürger-lichen Personen auffallend und drückend, aber auchdort bey weitem nicht so ausschließend, wie leider nochbey uns zu Hause, nnd immerhin erträglicher als der