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der Baronesse zum Lesen bringen, aber nur solche, woSittlichkeit mit elegantem Geschmack vorgetragen wäre.Dieß brachte ihn oft in Verlegenheit; denn wo es derSittlichkeit Ernst war, pflegte meist der zierliche Gerschmack zu fehlen; oder jene ertrank in den Gewässernder Eleganz; oder es waren beyde zu einem langwei-ligen Ganzen verbunden, das weder kalt noch warmgab. Er hätte aber gern seiner Clotilde nur das Vor-treffliche in die Hände gespielt, denn es war ihm, alshätte er selbst die Bücher geschrieben, die sie durch ihnzu lesen bekam. Da er eine schöne Handschrift halte, wa,ren Suschcn auch allerhand kalligraphische Denksprüchevon ihm willkommen, die dann nächst dem Lobe derTugend, welches die gnädige Frau begehrte, auch öf-ters von dem Werthe der Freundschaft sprachen, undin der Beziehung verstanden wurden, wie sie gemeintwaren, indem von allem diesen das Fräulein manchesauf längere oder kürzere Zeit mit sich nahm. — Undso wußte die Liebe sich auch durch Hindernisse Wegzu schaffen, die Allcsbcsiegcnde, der schon in ihremarglosen Entstehen die Vorsichtigkeit des klugen Altersnicht fein genug ist.
Aber eine bedeutendere Trennung stand den Lie-benden bevor. Die Zeit war gekommen, daß Gustavdie Hohcschulc beziehen sollte; schon war er bey sei-nem Vater um Abschied zu nehmen, und Clotildehatte sich beeilt, den gewohnten Besuch auf demSchlosse des Oheims zu machen, getrieben von mäch-