Buch 
2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
237
JPEG-Download
 

237

Dem viclerfahrenen Auge der Chanoin^sse wardieß schon in den ersten Tagen nicht entgangen; siefand das Außergewöhnliche dabey nach ihrem Ge-schmack, und den unverdorbenen Jüngling des Fräu-leins würdig. Und so wie niemand im Schlosse die,scr Liebe ungünstig war, machte sie es sich zur beson-dern Angelegenheit, derselben beförderlich zu seyn; siesprach darüber mit dem Professor, und meinte, ersollte seine Einwirkung beym Obersten für die Lieben-den verwenden. Allein der Mann wollte nicht: siehaben, sagte er, einander gefunden, und gehören sichan; das Ucbrige wird sich schon geben, wenn es seynmuß. So eine Liebe hat einen mächtigen Schutz-geist, den muß man walten lassen, er weiß sich alleinzu helfen.

Aber Sie kennen den Obersten, cntgegnctc dieChanoincsse: gehen ihm endlich durch Zufall die Au-gen auf, und erkennt er das, was er bisher nur fürjugendliche Angewöhnung hielt, als das was es ist,als die innigste vcrschlungcnste Liebe, so bricht er inunbegrenztem Zorne los.

Desto besser, versetzte der Professor.

Wie? Sollte das Ihr Ernst seyn, so erklärenSie sich!

Je heftiger der Ausbruch seines Zornes ist, äu-ßerte der Professor, desto kürzer ist die Dauer undmilder die Folge, weil seine Gutmüthigkcit sich der Uc-bercilung schämt.