246
crhohlcn, sie kennen unsre Familienbczichnngen nicht;und dem Professor selbst, so wahr und klug er sonst ist,stchts auf dem Gesichte geschrieben, daß er Liese Der»bindung für abgeschlossen im Himmel ansieht, weil ervon jenen Vorurtheilcn keine Begriffe hat, noch ha-ben will.
Vorurthcilc oder nicht, sie sind nun einmahl da,und so in unsere gesellschaftliche Convcnicnz cingcfloch-tcn, daß man ihnen ohne die nachthciligstcn Folgennicht Trotz bieten kann. Wie dürfte ich wieder zuHause, wie in der Residenz erscheinen, wenn durchmein Zuthun ein Fräulein vom ersten Adel des Lan-des die Gattin eines Bürgerlichen würde ? Und wäreauch ich schwach oder stark genug, mich darüber hin,wegzusetzen, so könnte ich es gegen meine arme Schwe-ster nicht verantworten, die durchaus an diesen Acu-ßcrlichkeitcn hängt, deren ganzes Daseyn damit verwe-ben ist, die, wie Ihr mir schreibt, ohne dieß schonkränkelt. Sie, mit den schönsten Aussichten für ihreinziges Kind, würde sich über den Schimpf einer sol-chen Herabsetzung zu Tode grämen; und ich hätte dieSchuld ihres Todes zu tragen! Nein, nimmermehr!
Hätte ich doch die Schweiz nie gesehen; oder hätteich vielmehr die Reise mit meinem Tobias allein ge-macht, und das Mädchen zu Hause gelassen, so wärees dann Eure Sache gewesen, ihrer Liebe zu hüthcn,und ich würde jetzt nicht in dieser schrecklichen Verle-genheit seyn! Ein Land, wo es keine privilcgirtcn