Buch 
2 (1828) Die Molkenkur / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
316
JPEG-Download
 

316

Mitte, die in gemüthlichem Zuge sich entgegen gehen,als wenn die Liebe bey uns einheimisch geworden wäre:doch man sagt, sie theile sich mit wie jede Dämonie.— O daß ich jemand um mich hätte, dem ich meineBeobachtungen anvertrauen könnte! Allein in Sachender Zärtlichkeit ist der Professor gleichgültig, und par-teylos ist sonst niemand hier als die Schweizerin; sieist aber ein Frauenzimmer, und die hören oft Mitthei-lungen dieser Art mit scheinbarer Bcfrcmdung an, wie-wohl sie ihnen schon längst bekannt sind; das nimmtdem Vertrauen den Reiz. So vernimm also du inder Ferne, was ich in der Nähe nicht anbringen kann.

Der Engländer ist ganz von der Base, wie wirsie nennen, einem g^.vollen, niedlichen Schweizer-mädchen, das Augen'hat wie eine Taube, und Haarewie Gold, eingenommen; und wozu ein feindlicherHieb den Grund gelegt, das hat die Liebe vollendet;er ist ans einem ungestümen Knaben so zahm gewor-den wie eine Jungfrau. Die Unschuld muß nie weitvon einem Menschen gewichen seyn, in dessen Busensie so lauter zurückkehren kann; er crröthet, wenn ermit ihr sprich!, und seine Worte sind Seufzer. Ver-stellung ist das nicht, sonst würde er sich in andererGesellschaft vergessen, und für seine Zurückhaltung Er-satz suchen; allein er ist nur da zu finden, wo sie oderGustav ist. Die Base will zwar nichts merken lassen,und sucht ihre muntere Laune beyzubehalten, öfters