48
Ich weiß nicht, war es Vorliebe oder Wahrheit,daß ich dem Städtchen Mühlhausen und seinen Ein,wohnern noch so offenbare Spuren von dem Charakterschweizerischer Handelsstädte, die sich durch Sauber,keil der Häuser, öffentliche Reinlichkeit und vertraulicheBürgerlichkeit auszeichnen, anzusehen glaubte; wenig-stens fielen mir die netten Gartenhäuser, die frucht-baren Gärtche», die reinlichen Gassen, die Kleidungund das Betragen der Einwohner durch ihre Aehnlich,keit mit dem, was ich zu Hause sah, aus, und erreg-ten in mir ein leises Heimweh, wodurch mir der kurzeAufenthalt in dieser noch unlängst verbündeten Schwel-zerstadl sehr angenehm wurde.
Schade wäre ci, wenn dieser alte gute Geist rein-licher Häuslichkeit und treuherzigerDeschränktheit, durchden alles verschlingenden Dämon der neuern Politikvertriebe», der feinen Allgefälligkeit der neuen Lands-leure Platz machen müßte; es wäre dabey wahrlich fürdiese Stadt mehr verloren als gewonnen, weil letztereEigenschaft unter dem Scheine der Humanität so oftgräßlichen Egoismus verbirgt, womit sich weder häus,liches noch öffentliches Glück verträgt, hingegen jeneweitläuftige und sparsame Ehrbarkeit bey aller Härteim Umgang doch Treu und Glauben hält, und damitauffallenden Wohlstand seit Jahrhunderten über dieEinwohner gebracht hat. Und doch ist zu befürchten,daß diese Veränderung allmählich vorgehen möchte, da
die
!