139
gang, von ihnen erwartet; da nun aber der Mangelderselben alsobald auffällt, so werden die unverwand-ten Augen, die athemlosen Gcsichtezüge und steifenGlieder dieser Bilder jeden Augenblick unerträglicher,und so verlieren sie gerade dadurch am meisten, wo-mit sie die stärkste Wirkung bezwecken, durch ihre allzu,große Natürlichkeit, wodurch sie über die Grenzen derKunst hinausgehen. Wie ganz anders verhält es sichmit den steinernen Formen der Bildhauerkunst'. Inihrem Anschauen kann sich der Verstand um so vielmehr vertiefen und die Einbildungskraft erheben, weilsie uns nur eine poetische Täuschung gewähren, undwenn sie auch i» unsrer Vorstellung bis zu Idealenemporsteigen, es doch nur in ästhetischer Beziehungsind, und immer nur Gegenstände des Geschmacks undder Kunst für unsre Augen bleiben, da hingegen jenesinnlich-illusorischen Quiproquos gar keinen Kunstcha-rakter mehr haben.
Jedoch ein Kopf von Franklin zog mich an, nichtals Kunstwerk, ob er gleich besser gearbeitet, und ver-^ muthlich von einem ältern Künstler war, sondern weilich den berühmten Philosophen gern einmahl so leib-haftig als möglich vor mir sah. Ein herrliches Grei-sengesicht, voll reiner gutmüthiger Seele und ausge-bildeten Verstandes. Wie sehen dagegen mehrere fran-î zösische ScaatSumwälzer, die auch da herum stehen, sogemein, charakterlos und ohne alle Elévation aus!
»